Iapichino räumt silber ab: comeback nach torun-krise
Larissa Iapichino liegt nach vier Sprüngen auf Rang sieben, dann fliegt sie auf 6,87 m und kassiert in Torun die erste WM-Medaille ihrer Karriere.
Drama in der halle: vier versuche, ein entschluss
Die 23-Jährige beginnt verhalten, holt im ersten Durchgang nur 6,49 m. Zweiter Sprung: 6,69 m – noch immer kein Top-Anschlag. Dritter Versuch: Foulsprung. Vierter Versuch: 6,66 m. Zwischenstand: Platz sechs, und nur die ersten sechs dürfen weiterspringen.
Alles oder nichts. Iapichino rutscht auf Rang sieben, weil die Rumänin Alina Rotaru-Kottke auf 6,72 m zulegt. Die Italienerin braucht mindestens diese Weite, um nicht vorzeitig rauszufliegen.

Der fünfte sprung: 6,82 m und die führung
Iapichino startet die Anlaufphase zögerlicher als sonst, verlagert das Gewicht aber präzise in die Absprungplatte. Die Flugphase wirkt kompakt, die Landung sauber. 6,82 m – neuer Spielführender. Die Halle tobt, Vater Gianni Iapichino klatscht rhythmisch auf die Absperrung.
Portugals Agate De Sousa antwortet sofort: 6,80 m, doch das reicht nur kurz für Platz eins. Im vorletzten Versuch steigert sie sich auf 6,92 m und sichert sich Gold.

6,87 M im finale – silber und mutterrekord eingestellt
Iapichino hat noch einen Versuch. Die Anlaufbahn quietscht, die Arme klappern, dann setzt sie sich in Bewegung. 6,87 m – neue persönliche Saisonbestleistung. Es reicht nicht für Gold, doch sie überflügelt damit die 6,86 m, die Mutter Fiona May 1997 in Paris sprang. Nur einmal zuvor war eine Italienerin weiter bei einer Hallen-WM.
Bronze geht an die Kolumbianerin Natalia Linares (6,80 m), die mit letzter Kraft den Podestplatz rettet.

Was bedeutet das ergebnis?
Für Iapichino ist die Medaille der Beweis, dass sie nach dem enttäuschenden 2023 wieder zur Weltspitze zählt. Der Silberrang liefert Punkte für die Olympic Qualifying und gibt dem italischen Verband Rückenwind vor den Summer Games in Paris. Die 6,87 m sind zugleich Kampfansage an die Konkurrenz: Mit 23 Jahren ist sie längst keine Aufsteigerin mehr, sondern etablierte Kraft.
Die Zahlen sprechen klar: Nur De Sousa war besser, und das nur dank eines einzigen Traumsprungs. Die Titelkämpfe im Freien beginnen in zwei Monaten – dann will Iapichino den Sprung aufs oberste Podest vollenden. Für Torun gilt: Silber ist schön, aber sie hat noch Luft nach oben. Und diese Luft riecht nach Sommer und nach Gold.
