Hsg hanau verliert zweite leistungsträger: schröder zieht schlussstrich nach 97 spielen

Nils Schröder packt seine Sachen. Nach elf Jahren, 97 Drittliga-Einsätzen und 78 Toren verlässt der 24-jährige Kreisläufer die HSG Hanau – und reiht sich ein in den Exodus, der die Spielgemeinschaft aus Kesselstadt und Steinheim lahmt.

Die Nachricht kommt knapp zwei Wochen nach Max Bergolds Abschied. Der Kapitän beendet seine Karriere, nun zieht auch Schröder die Notbremse. Ein Eigengewächs, das seit der C-Jugend die Schwarz-Rot-Träger trug, kündigt den Saison-End-Schnitt. „Diese Entscheidung ist mir nicht leichtgefallen“, sagt er, „sie war das Ergebnis langer Überlegungen und vieler Gespräche mit mir selbst.“

Verletzungen bremsten seine entwicklung

Die Zahlen sind hart: Knie, Schulter, Adduktoren – Schröders Körper spielte verrückt, wann immer er Fahrt aufnahm. Reiner Kegelmann, sportlicher Leiter, spricht offen aus, was alle denken: „Leider hat ihm sein Körper in den letzten Spielzeiten oft einen Strich durch die Rechnung gemacht.“ 97 Spiele in fünf Jahren – das ist kein Ergebnis mangelnder Klasse, sondern mangelnder Verfügbarkeit.

Doch es gibt ein Leben nach dem Handball. Schröder hat seine Ausbildung zum Chemielaboranten abgeschlossen, die Arbeitsstelle ruft, neue sportliche Impulse auch. „Ich brauche eine Perspektive, in der Pendeln keine Zusatzbelastung ist“, sagt er. Die Grimmstadt lag ihm, aber die Logistik wurde zur Falle.

Hsg hanau verliert abwehrimpuls und identität

Hsg hanau verliert abwehrimpuls und identität

Für Trainer Tobig Rebmann wird die Lücke zum Schreien groß. Schröder war kein Rückraum-Kanone, aber ein Verteidiger, der die 3-2-1-Deckung schnarrte. 78 Tore in 97 Spielen – keine glamouröse Quote, aber jeder Treffer ein Statement: Ich arbeite mich durch, egal wie. Genau diese Mentalität verliert Hanau mit ihm.

Die Personalie wirkt wie ein Signal. Die HSG muss umdenken, Nachwuchs reift schneller, externe Verstärkungen werden teurer. Kegelmann redet vom „erfolgreichen Hanauer Weg“, doch der Weg wird steiler, wenn Identifikationsfiguren abwandern.

Schröder selbst blickt nach vorn. „Ich nehme elf unvergessliche Jahre mit“, sagt er. Kein Pathos, keine Tränen. Ein Fakt bleibt: Am Ende dieser Saison schlägt er ein neues Kapitel auf – und die HSG Hanau muss erst einmal wieder einen Schriftrollenwechsel schaffen.