Hrobat schlägt olympia-helden: odermatt und von allmen blass im training

Miha Hrobat hat den Königen einen Denkzettel verpasst. Der Slowene jagte im ersten Abfahrtstraining von Kvitfjell eine 1:48,34 Min. über die Streckenuhr und schob sich damit zwischen die erwarteten Giganten. Marco Odermatt, bereits mit der großen Kugel in der Tasche, landete 1,22 Sek. dahinter auf Rang 15 – ein Rückstand, der selbst in einem Training ungewohnt aussieht. Franjo von Allmen, frisch gebackener Olympia-Sieger, kam gar auf Platz 24, mehr als drei Sek. verspätet.

Ein tag, an dem die hierarchie wackelt

Die Zuschauer am Hang spürten es sofort: Die großen Namen traten auf der Stelle. Odermatt fuhr eine typische Sicherheitsrunde, Bremsspuren waren kaum zu sehen. Von Allmen hingegen wirkte, als suche er noch die richtige Linie, die er in Cortina so souverän gefunden hatte. Dahinter schob sich Cameron Alexander aus Kanada (+0,14) auf Position zwei, gefolgt von Florian Schieder (+0,28), der als Italiener in norwegischem Gelände sein Kören zeigte.

Die Uhr ließ kein Interpretations-Spielraum. Hrobats Zeit stand, die Konkurrenz schüttelte sich. Für den 29-Jährigen ist das Weltcup-Finale die letzte Chance, sich für die kommende Saison zu empfehlen – und er griff sie mit beiden Händen. Die FIS-Zahlung am Ende des Tages: 100.000 Schweizer Franken Preisgeld für die Abfahrtswertung, doch die ist längst entschieden. Odermatt führt mit 670 Punkten, von Allmen folgt mit 435 Zählern. Die kleine Kristallkugel ist verpackt, der Druck abgefallen – und genau das kann gefährlich sein für die, die nun angreifen.

Deutsche abwesenheit und ein letzter shot am samstag

Deutsche abwesenheit und ein letzter shot am samstag

Kein DSV-Läufer schaffte die Qualifikation für das Finale. Die deutsche Abfahrtsmannschaft verpaszte die Top-25 der Saison, ein Schlag ins Kontor nach den Hochrechnungen von Cortina. Stattdessen richten sich die Blicke auf Raphael Haaser, der als bester Österreicher Vierte wurde (+0,44), und auf Dominik Paris, der sich nach seiner Bronzemedaille von Mailand mit Platz sechs (+0,53) wieder in die Spur zurückmeldete. Vincent Kriechmayr folgte als Achter (+0,71), die ÖSV-Staffel zeigt Profil, während die Schweizer Sturmriege nachlegt.

Am Freitag steht noch ein Training an, ehe am Samstag um 10:45 Uhr endgültig die Zeitmessung zählt. Die Wetterprognose verspricht Sonne, aber Kvitfjell ist bekannt dafür, dass sich die Piste bis Startzeit ins Schatten legt und die Zeiten um eine halbe Sekunde kippt. Wer dann noch Luft nach oben hat, wird sich wünschen, heute schon gesiegt zu haben. Hrobat jedenfalls fährt nach diesem Vormittag mit breiter Brust in die Nacht – und mit dem Wissen, dass auch Olympia-Helden nur Menschen sind.