Honda zwängt sich ans limit: alonso-finale offenbart 136-ps-loch
Suzuka – Fernando Alonso schob die A521 über die Ziellinie, als wäre nichts gewesen. Dabei steckt hinter dem vermeintlich ruhigen Ritual ein Kraftakt: Hondas Hybrid-System kratzt an der technischen Tragfläche, 100 kW fehlen in der Rekuperation – umgerechnet 136 PS, die Mercedes und Ferrari locker mitnehmen. Die gute Nachricht: Die Batterie hielt. Die schlechte: Mehr als diese Laufleistung ist gerade nicht drin.

Shintaro orihara legt die karten offen
„Wir haben die Renndistanz geschafft, das ist unser erster Sieg“, sagt Shintaro Orihara, Chefingenieur bei Honda F1, im Interview mit TSV Pelkum Sportwelt. „Aber der thermische Motor läuft bereits an seiner Grenze. Mehr Hubraum, mehr Zünddruck, mehr Drehzahl? Fehlanzeige. Was wir jetzt verändern können, sitzt in der Software und im Energiemanagement – nicht im Metall.“
Die Zahlen sind hart: Während Mercedes und Ferrari ihre MGU-K auf 350 kW hochregeln, stopft Honda gerade mal 250 kW in die Akkus. Ein Sechstel fehlt im Vergleich zur Konkurrenz – auf jedem Grand-Prix-Kilometer. Trotzdem schob Alonso in Suzuka noch vor Valtteri Bottas ins Ziel. „Ein kleines Wunder“, gibt Orihara zu, „mehr aber auch nicht“.
In Sakura laufen parallel zwei Entwicklungsstränge: Reliability-Team und Performance-Abteilung arbeiten getrennt, aber im Dreischichtbetrieb. „Wir testen auf dem Prüfstand, was die Mechanik hergibt, und simulieren gleichzeitig neue Energiefluss-Kurven für Miami“, so Orihara. Der Zeitplan ist knapp: Vier Wochen bis Florida, dann soll die nächste Software-Iteration an Bord sein. Ob sie die Lücke schließt? „Wir reden hier nicht über einen Handgriff, sondern über Millisekunden, die wir uns erkämpfen müssen.“
Der Blick zurück auf Suzuka liefert dafür Rohstoff: 53 Runden Daten zur Batterietemperatur, zur Vibrationsdämpfung, zur Drehmomentkurve. „Jede Sekunde wird auseinandergenommen“, sagt Orihara. „Aber wir können kein virtuelles PS erfinden, wenn der Verbrenner bereits am absoluten Rand operiert.“
Für Alonso bedeutet das: Weiterhin Vollgas mit der Handbremse an. Für Honda: Weiterbasteln an einem Motor, der eigentlich schon fertig ist. Und für die Konkurrenz? Ein Aufatmen, solange die Japaner nicht die nächste Generation auf die Rolle bringen. Bis dahin bleibt nur ein Gedanke, der Orihara sichtlich mitnimmt: „Zuverlässigkeit ist kein Ziel, sondern der neue Normalzustand. Alles andere ist Luft nach oben – oder eben einfach Luft.“
