Holland zerbricht am eigenen angstgebäude – koeman vor rauswurf nach 2:2 gegen japan

Die Oranje-Träume von der „Elftal“ sind nach 93 Minuten in Philadelphia bereits ramponiert. Nach einem 2:2 gegen Japan, erkämpft, verloren und wieder aufgefangen, steht die Mannschaft nicht nur mit dem Rücken zur Wand, sondern mit dem Gesicht im Spiegel der holländischen Presse. Valentijn Driessen schreibt im „Telegraaf“ von „katastrophalen Wechseln“ und einem „Selbstzerstörungsprogramm“. Die Schuldfrage trägt Ronald Koeman auf seinen Schultern – und die Uhr tickt laut.

Die erste halbzeit war wie ein schockraum

Gelb leuchteten die LED-Wände, das Stadion sang „Hup Holland Hup“, doch das Team stand wie erstarrt. Keine Laufwege, keine Impulse, nur ein tief sitzender Pulsschlag aus Angst. Japan attackierte früh, Holland antwortete mit Rückwärts-Pässen und einer Spielgeschwindigkeit, die selbst die Hubschrauber-Cams müde machte. 38 Prozent Ballbesitz zur Pause – Statistik als Selbstanklage.

Koeman wechselte sich selbst aus dem turnier

Koeman wechselte sich selbst aus dem turnier

Die Führung lag nach dem 2:1 vor den Füßen, das Momentum schien greifbar. Doch Koeman griff nicht zum Doppelpass, sondern zur Parkuhr. Mit Memphis und Xavi Simons raus, mit de Roon und Blind rein – ein Signal: verteidigen, verwalten, verstecken. Japan roch das Blut, drückte, traf in der 89. Minute und lächelte. Die Holländer standen mit offenen Mündern da, als hätte jemand die Notbremse ihrer EM-Qualifikationsmaschine gezogen.

Das publikum wurde zur kulisse

Das publikum wurde zur kulisse

Was in den sozialen Netzwerken vor dem Anpfiff noch wie ein großes Fest wirkte, endete in virtuellen Trümmerfeldern. „Wie Opernpublikum“, schimpfte Driessen, „nur das die Arien aus Fehlern bestanden.“ Die Fangemeinde, die im Januar noch die Kanzlerin bat, den Feiertag für das Finale freizugeben, twittert jetzt Hashtags wie #KoemanOut und schickt Memes mit einem sinkenden Oranje-Schiff.

Jetzt heißt es schwedische prüfung und tunesische rechnung

Am 19. Juni gegen Schweden um 20 Uhr und am 26. Juni gegen Tunesien um 1 Uhr muss nicht nur Punkte her, sondern auch Gesichter. Die Euphorie, die die KNVB mit Werbeclips und Influencer-Kampagnen in die Welt geschickt hatte, ist eine Eintagsfliege geworden. Der Rest der Gruppe jubelt still: Japan fährt nach Hause mit einem moralischen Sieg, Schweden und Tunesien wissen, dass Oranje verwundbar ist. Koeman hat fünf Tage, um das Vertrauen zurückzugewinnen – oder der erste Bondscoach seit 1990 zu sein, der nach der Vorrunde seinen Abschied schreibt.