Höjlunds albtraum-comeback: daumenbruch zerstört traum nach nur 40 minuten

40 Minuten. So kurz war der Auftritt von Mie Höjlund im dänischen Trikot, be ihr Comeback erneut in Trümmern liegt.

Die 28-jährige Rückraumkanonierin hatte sich am 24. Oktober beim Ligakracher Odense gegen Aalborg den Unterschenkel gebrochen – ein Knall, der durch ganz Skandinavien ging. Seither Fraisen, Reha, Tränen, Schweiß. Donnerstagabend in Aarhus sollte die Erlösung kommen: Test gegen Ungarn, volle Halle, sechs Tore in der ersten Hälfte, ein Lächeln, das man der Kamera entnehmen konnte.

Der daumen knickte – niemand sah es

Dann die 35. Minute. Ein Zweikampf, ein verhärteter Schrei, aber Höjlund spielte weiter. „Sie hat die zweite Halbzeit sogar noch mit dem gebrochenen Finger beendet“, sagt Bundestrainerin Helle Thomsen und schüttelt den Kopf. Erst danach schwoll der Daumen an, die Untersuchung bringt die Gewissheit: Bruch. Die Schiene kommt wieder zum Einsatz – diesmal am Handgelenk statt am Schienbein.

„Das ist ein Schlag ins Gesicht für uns alle“, so Thomsen. „Mie war gerade wieder auf dem Weg zu alter Stärke, ihre Anbindung an die Mitte war sofort spürbar.“ Die Verbandschefin spricht von einem „herben Verlust“, denn die Handball-EM rückt näher und Dänemark braucht ihre erfahrene Rechtsaußen, die in 86 Länderspielen 212 Treffer erzielte.

Höjlund selbst schluchzt im Mixed-Zone-Interview, kämpft aber um Fassung. „Es war wirklich schön, wieder dabei zu sein. Ich hab gemerkt, wie sehr mir das Team fehlte“, sagt sie und fixiert den Boden. „Aber ich werde zurückkommen. Ich habe es einmal geschafft, ich schaff es wieder.“

Zeitplan wird eng – em steht auf dem spiel

Zeitplan wird eng – em steht auf dem spiel

Wie lange die Dänin fehlt, wissen die Ärzte noch nicht. Am Freitag flog sie zurück nach Odense, wo MRT und CT anstehen. Eine Daumenfraktur kann bei einer Handballerin zwischen drei und acht Wochen Außerstand bedeuten – je nach Befund. Das Rückspiel gegen Ungarn verpasste Höjlund gestern bereits, und auch die anstehenden WM-Quali-Spiele im Dezember sind plötzlich in Gefahr.

Für TSV Pelkum-Sportwelt ist klar: Diese Verletzungsmisere ist kein Schicksal, sondern ein Warnsignal. Zu viele Spiele, zu hohe Belastung, zu wenig Regeneration? Die Statistik des europäischen Verbands zeigt: Handballerinnen verletzen sich im Schnitt 1,7-mal häufiger als ihre männlichen Kollegen – und das bei kürzeren Pausen zwischen den Länderspielfenstern.

Fazit: Mie Höjlund feierte 40 Minuten lang ihre Rückkehr – und schickte sich selbst erneut in den Reha-Alltag. Die Daumenfraktur ist nicht nur ein Rückschlag für sie, sondern auch für das gesamte dänische EM-Projekt. Denn ohne ihre Wurfgewalt droht dem Titelverteidiger eine Lücke, die sich nicht einfach schließen lässt. Die Uhr tickt. Und mit ihr die Frage: Wie viele Comebacks verträgt ein Körper?