Hoffenheim platzt der kragen: champions-league-traum schwindet im sturm

Die TSG Hoffenheim war mal wieder das lebende Beispiel dafür, wie schnell Fußball-Feuer in Wind verwandelt. Nach 18 Spieltagen noch auf Rang drei, schon jetzt – fünf Spieltage vor Saisonende – steht die Mannschaft von Christian Ilzer mit dem Rücken an der Wand. Die 0:5-Demontage in Leipzig war kein Ausrutscher, sondern die Explosion eines längst geborstenen Druckrohrs.

Warum hoffenheim plötzlich nur noch nach hinten guckt

Die Zahlen sind gnadenlos: sieben Punkte aus den letzten sieben Partien, nur ein Tor in den jüngsten drei Heimspielen, dazu ein Lemperle und ein Avdullahu, die mit Tape statt mit Toren glänzen. Der Sprung in die ChampionsLeague? Vom sicheren Ticket zur Schnapsidee. Die Länderspielpause kommt wie ein Notarzt, der erst einmal Beatmung vornimmt, bevor er die Diagnose stellt.

Ilzer redet von mentaler Frische, doch was die TSG braucht, ist eine andere Frische: die in den Knochen. Das Pressing, mit dem Hoffenheim Herbst-Favoriten wie Leverkusen oder Dortmund in Grund und Boden stampfte, wirkt seit Februar wie ein Laufband ohne Strom. Die Gegner gehen durch die Mittellinie wie durch ein Drehkreuz: 13 Gegentore in den letzten fünf Spielen – das ist kein Formtief, das ist ein Formgrab.

Der Kader ist breit, ja, aber Breite nützt nichts, wenn die ersten Elf lahmt. Grischa Prömel liefert Laufwege, nicht aber Lösungen, Andrej Kramaric trifft nur noch per Standard, und Tim Lemperle wirkt, als hätte er vergessen, dass Strafraum und Aufenthaltsraum zwei Paar Schuhe sind. Die Abwehr um Hranac und Hajdari mag auf dem Papier stabil sein, auf dem Rasen aber tanzen die Gegner um sie herum wie um verrostete Torbögen.

Der europapokal ist nicht mehr selbstverständlichkeit

Der europapokal ist nicht mehr selbstverständlichkeit

Ein Jahr nach dem Angstwinter gegen den Abstieg klingt Europa-League-Qualifikation noch wie ein Jackpot. Doch selbst das könnte kippen. Stuttgart liegt drei Punkte vorne, Leverkusen vier – und die haben ihren Tiefs nicht vor, sondern hinter sich. Die Tabelle lügt selten, aber sie verrät auch dies: Zwölf Punkte Vorsprung auf Platz sieben klingen nach Polster, sind aber nur drei Niederlagen und ein Remis entfernt von der nächsten Blamage.

Die Mission lautet nicht mehr „Champions League“, sondern „Champions-Angst verhindern“. Wenn Ilzers Truppe nicht innerhalb von Tagen wieder zu jener Lauf- und Lachkultur findet, mit der sie Herbst-Festungen wie die PreZero-Arena zur Festung machte, wird sie nicht nur den Anschluss verpassen, sondern sich selbst. Dann bleibt vom großen Europa-Traum nur der bittere Nachgeschmack einer Saison, die zu früh feierte und zu spät aufwachte.

Der letzte Strohhalm: die Rückkehr von Avdullahu und die Rückkehr zur Wut, mit der Hoffenheim einst den Liga-Dauerbrennern das Leben schwer machte. Keine Taktikfolie der Welt ersetzt die Schnauze, die die TSG in Leipzig verloren hat. Wer jetzt nicht mehr beißt, fliegt raus aus dem europäischen Fest – und das wäre nicht einfach nur eine Enttäuschung, sondern das Ende einer Erfolgsstory, die gerade erst begonnen hatte.