Hoeneß rächt 37 jahre alte schmach: vfb jagt porto im kreuzfeuer der familiengeschichte
Sebastian Hoeneß steht vor dem Achtelfinal-Hinspiel in der Europa League mit dem VfB Stuttgart gegen den FC Porto und spürt, wie die Vergangenheit in seine Gegenwart gräbt. Der Trainer der Schwaben ist fünf Jahre alt gewesen, als sein Vater Dieter mit dem FC Bayern am 27. Mai 1987 im Landesmeister-Finale gegen die Portugiesen das 1:2 kassierte. Das Tor von Madjer schleuderte den damals dominierenden deutschen Rekordmeister ins Tal der Tränen. Jetzt, 37 Jahre später, will der Sohn die Schmach auslöschen.
„Ich kenne natürlich das Tor von Madjer und hätte mir für meinen Vater gewünscht, dass das Spiel damals anders ausgegangen wäre. Hoffentlich können wir das diesmal ändern“, sagt Hoeneß vor dem Duell am Donnerstag (18.45 Uhr/RTL und Nitro). Die Worte klingen ruhig, doch dahinter brodelt der Familienstolz. Ein Sieg würde nicht nur das Viertelfinal-Ticket sichern, sondern auch ein Stück persönliche Genugtuung bedeuten.
Porto zerreißt die liga, stuttgart zerreißt die ketten
Der Gegner ist kein Zufallsgröße. Porto dominiert die Primeira Liga, liegt neun Punkte vor Sporting und spielt eine Serie, die an die alten Europapokal-Tage erinnert. Hoeneß schätzt das ein: „Das ist eine Mannschaft, die für mich auch im Achtelfinale der Champions League stehen könnte. Da ist Hochleistung gefordert.“ Die Worte sind keine Hofschranze, sondern Kampfansage. Denn der VfB hat in dieser Saison bereits bewiesen, dass er mit den Großen tanzen kann. Die Bundesliga-Mannschaft schraubt sich seit Wochen in eine Form, die selbst die kritischsten Stuttgarter Stimmen verstummen lässt.
Ermedin Demirovic, Stuttgarts Torjäger mit 14 Treffern in der laufenden Saison, schlägt in dieselbe Kerbe: „Dieses Spiel hat Champions-League-Charakter. Porto ist ein richtig spannender Gegner, den man sich als Kind gewünscht hätte.“ Doch dann kommt der Satz, der zeigt, wie weit der VfB mittlerweile gereift ist: „Wir brauchen uns nicht zu verstecken, vor allem in der Verfassung, in der wir gerade sind. Da muss erstmal der Gegner kommen, der uns in zwei Spielen schlägt.“

1998 War gestern, 2026 ist jetzt
Die Statistik nagt an den Schwaben. Seit 1998 wartet der VfB auf ein Viertelfinale im Europapokal. 28 Jahre Pause, das ist eine ganze Generation. Hoeneß weiß, dass dieses Achtelfinale mehr ist als nur ein Schritt im Wettbewerb. Es ist die Befreiung von einem Komplex. „Das ist ein besonderes Spiel, auf das wir gespannt gewartet haben“, sagt er. Und er fügt hinzu: „Auf diesem Level darf man sich keine Schwächen erlauben.“
Die Finalrunden beginnen jetzt. Für Hoeneß ist das keine Floskel, sondern Realität. Die K.-o.-Phase der Europa League ist ein Miniturnier, in dem jeder Fehler sofort bestraft wird. Porto wird kommen mit dem Biss der Macht, mit dem Ruf der europäischen Großklub-Vergangenheit. Aber Stuttgart kommt mit dem Selbstvertrauen einer Mannschaft, die in der Bundesliga bereits gegen Bayern und Dortmund nicht gezuckt hat.
Die Arena wird kochen. 60.000 Fans werden erleben, wie ein Sohn versucht, die Geschichte seines Vaters umzuschreiben. Keine Heldenposse, sondern Fußball-Roman. Wenn Schlusspfiff ist, wird entweder die alte Wunde wieder aufreißen – oder endlich verheilen. Die Wette des Tages lautet: Hoeneß wird seine Mannschaft so aufstellen, dass Porto mehr braucht als ein Tor von Madjer, um weiterzukommen. Die Familiengeschichte bekommt ein neues Kapitel. Und diesmal soll es für den VfB Stuttgart enden.
