Hoeneß preist kane als 250-millionen-mann – und liefert ein saudi-szenario ab

Uli Hoeneß kann sich ein Bayern-Aus von Harry Kane nicht vorstellen – aber er spricht es aus, was alle befürchten: Ein Anruf aus Saudi-Arabien könnte alles über den Haufen werfen.

Der Ehrenpräsident schwärmt, zögert, preist, warnt. Auf der Podiumsdiskussion der Frankfurt School of Finance & Management wirkt er zunächst wie ein verliebter Teenager: „Heute würde ich ihn für 150 Millionen kaufen.“ Doch hinter dem Lächeln schimmert ein Gedanke, den Hoeneß nicht loslässt. Die Klausel, die Kane bis 2027 an München bindet, war nur der erste Akt.

Kane lernte, außerhalb der box zu leben

Der Engländer habe sich „entwickelt wie ein junges Wild“, sagt Hoeneß und meint damit nicht nur die 133 Tore in 136 Pflichtspielen. Unter Vincent Kompany sei aus dem reinen Vollender ein Libero-Stürmer geworden, der „aus dem Stand 70-Meter-Pässe auf Olise schlägt“ und bei eigenen Eckbällen mit in die defensive Rückraumschleuse sprintet. „Das hat er hier gelernt. Der war immer in der Box“, betont Hoeneß – und klingt dabei wie ein Lehrer, der seinen Schützling gerade zum Diplom gratuliert.

Die Ablöse von einst 100 Millionen Euro? „Schnäppchen“, sagt Hoeneß und zieht den Vergleich zu Alexander Isak, den Liverpool für 150 Millionen holte. „Wenn der 150 wert ist, ist Harry 250 Millionen Euro wert.“ Die Rechnung geht auf: Tore plus Vorlagen plus Charisma plus Marketingwert. Ein Geschäftsmann rechnet lautstark, ein Fan schwärmt leise.

Die familie fühlt sich wohl – aber der markt schläft nie

Die familie fühlt sich wohl – aber der markt schläft nie

Was Hoeneß „hört und spürt“, klingt beruhigend: Kanes Kinder gehen in München zur Schule, seine Frau genießt die Biergarten-Kultur, der Stürmer selbst lächelt öfter als in London. Doch der Satz danach fällt wie ein Beil: „Aber man weiß nie, wenn ein Saudi kommt und das dicke Geld auf den Tisch legt …“ Die Pause danach ist kein Zufall. Hoeneß kennt die Liga der Superreichen, in der Gehaltszahlungen mit Öl-Förderquoten gemischt werden.

Die Entscheidung liegt nicht bei Bayern, nicht einmal bei Kane. Sie liegt in der Macht eines Anrufs, der irgendwann zwischen Juni und August 2027 kommen könnte. Hoeneß weiß: Gefühle sind bei 250 Millionen Euro immer die zweite Währung.

Bayern wird alles daran setzen, die Familie glücklich zu halten, die Tore fließen zu lassen und das Saudi-Szenario im Keim zu ersticken. Doch wenn der Telegraph eines Tages meldet, dass Kane in Riad landet, wird Hoeneß mit einem Schulterzucken sagen: „Haben wir uns doch gedacht.“ Bis dahin zählt nur eins: 133 Tore, 31 Vorlagen – und die nächste Chance, die Zahl zu erhöhen. Der Countdown läuft, auch wenn keiner ihn laut ausspricht.