Hitze bremst sportler: koffein kann leistungsabfall umkehren!

Die Sommerhitze schlägt hart zu: Athleten leiden unter bis zu 16-prozentigen Leistungsverlusten. Doch eine neue Studie zeigt, dass die richtige Dosis Koffein diesen Effekt überraschend effektiv ausgleichen kann – aber nur in der richtigen Menge. Was Forscher herausgefunden haben, lesen Sie hier.

Wie die hitze unseren körper beeinträchtigt

Für Sportler, die im Freien trainieren oder an Wettkämpfen teilnehmen, ist die Sommerhitze eine echte Herausforderung. Es geht längst nicht mehr nur um Unbehagen, sondern um tiefgreifende physiologische Veränderungen. Der Körper schaltet in den Kohlenhydratstoffwechsel um, die aerobe Kapazität sinkt, und die Ermüdung setzt schneller ein. Bei Temperaturen über 30 Grad können die Leistungsverluste im Vergleich zu normalen Bedingungen alarmierend hoch sein – bis zu 16 Prozent.

Koffein: der bewährte leistungskatalysator

Koffein: der bewährte leistungskatalysator

Koffein ist seit Jahrzehnten ein fester Bestandteil der sportlichen Leistungsoptimierung. Schätzungsweise 74 Prozent der Elite-Athleten nutzen es routinemäßig. Bisherige Forschungsergebnisse waren jedoch fragmentiert, insbesondere in Bezug auf seine Wirkung bei Hitze. Eine aktuelle Studie der Beijing Sport University, veröffentlicht im März 2025, hat nun versucht, diese Wissenslücke zu schließen. Im Doppelblind- und Randomisierungsverfahren wurden 17 trainierte Männer unter verschiedenen Bedingungen auf einem Ergometer getestet: bei normaler Temperatur (ca. 25 °C) und bei 33 °C mit Placebo, 3 mg/kg und 6 mg/kg Koffein. Das Ergebnis ist eindeutig: Bei den üblichen Dosierungen von Koffein konnte der Leistungsabfall durch die Hitze nur teilweise ausgeglichen werden.

Die entscheidende dosis: 6 mg/kg koffein

Die entscheidende dosis: 6 mg/kg koffein

Die Studie zeigt, dass eine Dosis von 6 mg/kg Koffein den Leistungsverlust durch Hitze vollständig kompensiert. Statistisch gesehen waren die Ergebnisse bei dieser Dosierung vergleichbar mit denen unter normalen Bedingungen. Eine niedrigere Dosis von 3 mg/kg brachte hingegen nur eine geringe Verbesserung.

Mehr als nur ein stimulans: der mentale effekt

Mehr als nur ein stimulans: der mentale effekt

Die Forscher identifizierten drei Mechanismen, durch die Koffein wirkt: Mobilisierung freier Fettsäuren, Erhöhung der intrazellulären Kalziumverfügbarkeit in den Muskeln und, vor allem, Blockade von Adenosinrezeptoren im zentralen Nervensystem. Dieser letzte Mechanismus – die Reduktion der wahrgenommenen Anstrengung – ist besonders interessant. Studien deuten darauf hin, dass er rund 29 Prozent der gesamten ergogenen Wirkung von Koffein erklären kann. Das bedeutet: Ein Großteil des Vorteils liegt nicht in der direkten Muskelwirkung, sondern in der Beeinflussung des Gehirns.

Die wahrnehmung der anstrengung spielt eine schlüsselrolle

Die wahrnehmung der anstrengung spielt eine schlüsselrolle

Der subjektive Eindruck von Anstrengung, gemessen anhand der RPE-Skala (Rating of Perceived Exertion), bestätigte die Ergebnisse. Bei 3 mg/kg Koffein gab es keinen signifikanten Unterschied zum Placebo. Bei 6 mg/kg war die wahrgenommene Anstrengung jedoch deutlich geringer – nicht nur im Vergleich zur Placebogruppe, sondern auch zur Gruppe mit der niedrigeren Dosis. Die Autoren führen diesen Effekt auf die Steigerung der Beta-Endorphinspiegel und die Reduktion der Ermüdung des zentralen Nervensystems zurück – Effekte, die erst bei höheren Koffein-Konzentrationen relevant werden.

Wichtige einschränkungen und hinweise

Es ist wichtig zu beachten, dass die Studie ausschließlich an männlichen Athleten durchgeführt wurde. Die Wirkung von Koffein kann bei Frauen anders sein, da sie potenziell anfälliger für negative Effekte wie Angstzustände sind. Zudem wurden keine Koffein-Konzentrationen im Blut gemessen, was individuelle Unterschiede im Metabolismus – insbesondere durch die Gene CYP1A2 und ADORA2A – nicht berücksichtigt. Wer Koffein langsam verstoffwechselt, profitiert stärker, ist aber auch anfälliger für Nebenwirkungen. Eine Dosis von 6 mg/kg entspricht für einen 70-Kilogramm-Athleten etwa 420 Milligramm Koffein – mehr als der Inhalt einer doppelten Espresso. Vorsicht ist geboten, bevor man die Dosis eigenmächtig erhöht.

Die Forschung liefert wertvolle Erkenntnisse für alle Athleten, die mit Hitze zu kämpfen haben. Die richtige Koffeindosis kann den Leistungsabfall deutlich reduzieren – aber nur, wenn sie gezielt eingesetzt wird. Die Erkenntnis, dass eine halbe Dosis oft kaum einen Vorteil bringt, ist dabei von zentraler Bedeutung.