Hincapié zerreißt das netz: arsenal will den titel, egal wie!

Piero Hincapié spricht mit der Kälte eines Verteidigers und der Feuerkraft eines Titelsammlers. Vor dem Achtelfinale gegen Ex-Klub Leverkusen liefert der 24-Jährige im BILD-Interview jene Soundbites, die Arsenal-Anhänger jubeln lassen und Gegner erzittern: „Wir brauchen einen großen Titel – egal wie.“

Der leverkusen-kreuzer wird zum arsenal-krieger

Sein Blick ist aus Metall, seine Sprache aus Stahl. Als ihm im Oktober die Loskugel „Bayer 04“ entgegenschlug, tippte Hincapié sofort auf WhatsApp: „Bis bald, Jungs.“ Kein Sentiment, nur Business. Denn der Ecuadorianer weiß: In der Königsklasse gibt es keine Familienfotos, nur Schlagzeilen.

Die erlebte er 2023/24 hautnah, als er mit Leverkusen das Double holte. „Xabi hat uns gelehrt, bis zur 98. Minute an Sieg zu glauben“, erinnert er sich an die Nachspielzeit-Dramen. Dieses Sieger-DNA will er nun in die Londoner DNA injizieren. „Jeder hier hat Hunger, der sich in die Knochen frisst“, sagt er über den Titel-Durst im Emirates-Stadion. 22 Jahre ohne Meisterschaft, null Champions-League-Pokale – das sind Zahlen, die selbst seinen neuen Teamkollegen die Kehle austrocknen.

Standardskandale? „man muss eier haben“

Standardskandale? „man muss eier haben“

Arsenal führt die Premier League an, gewann alle sechs Gruppenspiele der Champions League – und kassiert trotzdem Kritik wie ein Absteiger. Brighton-Coach Fabian Hürzeler beschwerte sich öffentlich über die Arteta-Trickkiste: blockende Keeper, verdeckte Laufwege, Sekundenraub beim Einwurf. Hincapié zuckt mit den Schultern. „Wir sind erfolgreich und tun nichts Verbotenes.“ Dann kommt der Satz, der morgen in englischen Pubs zitiert wird: „Man kann nicht immer schön gewinnen. Man muss Eier haben.“

Diese Haltung könnte heute Abend den Unterschied ausmachen. Leverkusen reist ohne Druck, Arsenal mit dem Gewicht von 22 Jahren. Hincapié aber kennt beide Seiten. „Ich war der Junge, der den Physiotherapeuten nicht mal auf Englisch fragen konnte“, lacht er über seine Anfänge in Deutschland. Heute spricht er fließend Fußball – und das in Perfektion.

Die Statistik spricht für ihn: In 37 Pflichtspielen dieser Saison kassierte Arsenal nur 28 Tore. Bei Standards erzielten die Gunners bereits 18 Treffer – mehr als jede andere Champions-League-Mannschaft. „Das ist kein Zufall, das ist tägliche Fronarbeit“, betont der Verteidiger. Nicolas Jover, der Einwurf- und Eck-Coach, lässt die Mannschaft morgens um 9:15 Uhr Bälle auf den ersten Pfosten schlagen, bis die Wände im Trainingszentrum erzittern. „Wenn du das 200 Mal wiederholst, wird aus Zufall Routine“, sagt Hincapié.

Am Ende bleibt ein Fazit, das kein PR-Mann besser formulieren könnte: „Einen großen Titel brauchen wir – egal wie.“ Kein „wenn“, kein „aber“. Nur eine Mission. Und die beginnt heute um 18.45 Uhr gegen jene Freunde, die ihm einst das Selbstbewusstsein gaben. Jetzt will er ihnen das Selbstvertrauen rauben. So funktioniert Profifußball – gnadenlos und groß.