Hiljemark schlägt alarm vor como: „das ist champions-league-niveau!“

Oscar Hiljemark kann nicht einmal mehr den Satz beenden, ohne dass die Stimme einen Tick rauer wird. „Wir spielen gegen ein Team, das in der Europa League keine Sekunde fehl am Platz wäre“, sagt der Schwede, während er mit dem Kugelschreiber auf dem Tisch trommelt. Der Pisa-Coach weiß: Am Sonntag wartet in der 30. Serie-A-Runde kein Gegner, sondern ein Prüfstein, der sich in die DNA seines noch jungen Trainer-CVs brennen könnte.

Der como-sog und die tuscher-angst

Seit Cesc Fàbregas die Lombardei in einen Ballbesitz-Kollektiv verwandelt hat, fährt Como eine Heim-Bilanz von 9-2-1 – mit nur sieben Gegentoren. Die Expected-Goals-Differenz liegt bei plus 16,4, Spitzenwert der Liga. Hiljemark hat die Zahlen im Kopf, er kann sie nicht ausblenden. „Wenn du gegen Como pressen willst, läufst du Gefahr, dass sie dich in die Seitenräume zerstückeln. Und wenn du tief stehst, spielen sie dich mit zwei Drehungen aus dem Strafraum. Es ist wie Schach mit 2400-Elo-Gegner: Jeder Zug ist vorbereitet.“

Die Statistik lügt nicht: In den letzten fünf Partien traf Pisa nur dreimal. Ein Tor pro 153 Minuten – das reicht nicht, um den Abstand von drei Punkten zum ersten Abstiegsplatz zu vergolden. Hiljemark spricht offen über die Verletztenmisere: „Wir haben fünf Leistungsträger auf der Liste, darunter unseren Top-Scorer Gliozzi. Ich kann kein Wunder zaubern, ich kann nur die Jungs bitten, ihr Herz auf dem Platz zu lassen.“

Stolz statt punkteplan

Stolz statt punkteplan

Der 35-Jährige verweigert sich dem Spiel mit der Angst. „Wenn wir nur verteidigen, verlieren wir 0-3. Wenn wir spielen, was wir können, vielleicht 1-2, aber mit erhobenem Kopf.“ Seine Spieler sollen „Orgoglio“ tragen – Stolz. Das Wort benutzt er dreimal in fünf Minuten, so als würde er es auf die Kabinentür sprayen.

Die Curva Nord hat bereits 1.200 Tickets für das Gastspiel in Como gebucht, trotz 600 Kilometer Fahrt. „Unsere Fans verstehen, dass dieser Klub mehr ist als Tabelle. Es geht um Identität“, sagt Hiljemark. Dann kommt der Moment, in dem er die Brille absetzt und direkt in die Kameras blickt: „Wenn wir dort einen Punkt mitnehmen, ist das ein kleiner Kanonenschlag. Aber wir fahren nicht als Touristen – wir fahren, um Geschichte zu schreiben.“

Um 20:45 Uhr in Cittiglio wird der Ball rollen. Für Pisa könnte danach die Welt ein kleines bisschen anders aussehen – oder zumindest die Tabelle wieder ein Stück weit nach Toskana riechen.