Hertha ii zerstört chancen und serie – leipzig wartet mit horror-bilanz

22 Sekunden. So schnell hätte Änis Ben-Hatira die Partie gegen Greifswald drehen können. Stattdessen sprang der Ball über das leere Tor, und mit ihm die Kontrolle über ein Spiel, das am Ende 0:1 endete. Die U 23 von Hertha BSC kassierte damit die erste Pflichtspiel-Niederlage des Jahres 2026 – und muss sich nun fragen, ob die eigene Chancenverwertung nicht doch alter ist als die frisch gepriesene Reife der Mannschaft.

Hasanovic sieht trotzdem „ganz andere spieler“

Trainer Rejhan Hasanovic schüttelt nach dem Abpfiff nur kurz den Kopf. „Wenn du kein Tor schießt, verlierst du so ein Spiel“, sagt er und klingt dabei weniger verzweifelt als analytisch. Drei Siege zum Rückrunden-Auftakt, fünf Testspielsiege, zwei Remis – die Zahlen sprechen für ihn. Besonders die Namen: Selim Telib, Oliver Rölke, Janne Berner, Luis Trus, Shalva Ogbaidze. „Das sind keine Talente mehr, das ist ein Kader“, betont der 34-Jährige. Ogbaidze nennt er den „Motor“, weil dessen Laufwege nun taktisch statt nur athletic wirken. Die Verletztenliste ist kürzer, das Training intensiver, die Ergebnisse – bis auf den 0:1-Rückschlag – stabil.

Doch die Tabelle lügt nicht. Hertha II ist Zehnter, acht Punkte hinter Spitzenreiter Lok Leipzig. Und genau dort geht es am Sonntag. Bruno-Plache-Stadion, 14 Uhr, ein Ort, an dem die Berliner in den letzten drei Duellen 17 Gegentore kassiert haben. 5,67 Treffer pro Spiel – ein Wert, der selbst in der Comic-Bundesliga peinlich wäre.

Leipzig ist tabellenprimus – und horrorgegner

Leipzig ist tabellenprimus – und horrorgegner

Hasanovic lacht nicht, als er an die Statistik erinnert wird. „Wir haben Respekt, aber nichts zu verlieren“, sagt er und meint damit nicht nur die drei Punkte. Für ihn ist Leipzig ein Testlabor: Wer steht, wenn der Gegner presst? Wer traut sich die Drehung im Mittelfeld? Wer schlägt den Pass in den Lauf statt vor das Bein? Die Antworten liefern nicht die Tabelle, sondern die 90 Minuten, die kommen.

Die Leipziger haben in dieser Saison 61 Tore geschossen, 15 mehr als Hertha II. Ihre Top-Stürmer Torge Paetznick und Marcel Hoppe sind in Form, das Mittelfeld läuft über Tim Danneberg, die Abwehr kassierte nur 18 Gegentore. Kurz: Lok ist das komplette Gegenteil einer Mannschaft, die nach 22 Sekunden die erste Großchance vergibt.

Hasanovic wird seine Startelf erst am Sonntagmorgen bekannt geben. Er wird nicht über Systeme reden, sondern über Entscheidungen. „Wir müssen die letzte Situation ausspielen, nicht nur vorbereiten“, sagt er und spielt damit auf die mangelnde Konsequenz gegen Greifswald an. Die Leipziger werden pressen, die Berliner werden kombinieren. Wer zuerst ins Zwei-kampf-Duell geht, wird entscheiden, ob die Horrorbilanz auf 20 Gegentore steigt – oder ob endlich ein Exorzismus gelingt.

Kick-off ist um 14 Uhr, das Bruno-Plache-Stadion wird ausverkauft sein. Für Hertha II ist es nicht nur ein Spiel gegen den Tabellenführer, sondern ein Test gegen die eigene Geschichte. 17 Gegentore in drei Spielen – das ist keine Statistik, das ist eine Offenbarung. Und Offenbarungen sind bekanntlich selten positiv. Aber vielleicht reicht ja schon ein einziges Tor, um die Serie zu beenden. Diesmal nicht nach 22 Sekunden, sondern nach 90 Minuten mit dem Schlusspfiff. Dann wäre nicht nur Leipzig geschlagen, sondern auch die Vergangenheit.