Hertha bsc: ein liga-albtraum in der winterpause?
Berlin ist im Sport
-Winter. Und Hertha BSC, statt Weihnachtsfrieden, erlebt eine erschütternde Phase. Das 1:0 gegen Kiel mag auf den ersten Blick ein Sieg sein, doch das Spiel offenbarte tieferliegende Probleme, die weit über eine einzelne Niederlage hinausgehen.
Die verkehrte welt im berliner anzug
Es ist eine bittere Ironie des Fußballs: Hertha BSC, ein Verein mit grandiosen Ambitionen und einem Millionen-Etat, scheint sich in einer permanenten Abwärtsspirale zu befinden. Während andere Teams in der Liga an Stabilität gewinnen, wirkt Hertha wie ein Schiff ohne Ruder, das hilflos den Wellen des Erfolglosigkeit ausgeliefert ist.
Nach dem Spiel gegen Kiel wurde einmal mehr deutlich, dass die Mannschaft nicht nur an kämpferischer Einstellung, sondern vor allem an taktischer Disziplin und spielerischer Qualität mangelt. Kiel, ein Team, das in dieser Saison nicht unbedingt zu den Favoriten gehört, nutzte die Schwächen der Hertha gnadenlos aus und ging am Ende verdient als Sieger hervor.
Die erste Halbzeit war ein Lehrstück in Chancenverwertung – oder eben deren Fehlen. Hertha dominierte, kontrollierte das Spielgeschehen und erzeugte zahlreiche Torchancen. Doch die Abschlussqualitäten ließen zu wünschen übrig. Fabian Reese, Brekalo und Schuler vergassen, dass ein Tor mehr Punkte bringt als ein guter Schuss.
Der Treffer von Jonas Therkelsen in der 63. Minute war dann der kalte Duschmoment für die Berliner. Ein Konter, der sich aus einer Unachtsamkeit in der Hertha-Abwehr ergab, wurde eiskalt zur Führung für Kiel verwertet. Die alte Dame wirkte plötzlich wie betäubt.
Was niemand offen anspricht, ist die Frage der Qualität im Kader. Erneut zeigte sich, dass die einzelnen Spieler zwar Potential haben, aber als Team nicht in der Lage sind, dieses auszuspielen. Die Abstimmung, das Verständnis für die Laufwege des Mitspielers, die Bereitschaft, für den anderen zu kämpfen – all das fehlt.
Kiels Trainer Tim Walter, ein Mann, der selten seine Prinzipien aufgibt, sah seine Mannschaft taktisch perfekt eingestellt. Hertha-Coach Stefan Leitl muss nun dringend eine Lösung für die kreativen Probleme seines Teams finden.
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: 59 Prozent Ballbesitz für Hertha, 23:6 Schüsse aufs Tor, ein Expected-Goals-Wert von 2,49 – und trotzdem nur ein Punkt. Das ist nicht nur unglücklich, sondern auch ein Spiegelbild der vorhandenen Defizite.
Die Winterpause könnte für Hertha BSC die Chance sein, einen Reset vorzunehmen. Doch ob die Verantwortlichen aus den Fehlern der Vergangenheit lernen und den Mut aufbringen, wirklich weitreichende Konsequenzen zu ziehen, bleibt abzuwarten. Denn eines ist klar: So wie es jetzt läuft, droht Hertha BSC im Abstiegskampf ernsthafte Probleme zu bekommen.
Die Frage, die sich nun stellt, ist nicht, ob Hertha BSC die Klasse hält, sondern ob der Verein in der Lage ist, sich in den kommenden Jahren zu einem konkurrenzfähigen Team zu entwickeln. Die Antwort auf diese Frage wird entscheidend sein für die Zukunft des Vereins.
