Hertha ballert sich zurück – reese lässt düsseldorf erbeben
0:1-Rückstand, sieben Punkterückstand auf Rang drei – und dann knallt Fabian Reese die Hertha nach vorn. Fünf Tore in Düsseldorf, zwölfter Saisonsieg, erste Offensive, die seit März 2025 wieder so laut wird. Berlin ist noch nicht oben, aber plötzlich richtig gefährlich.
Reese schreibt das skript selbst
Der Kapitän trifft per Lupfer, donnert per Schlenzer, leiert den Ball auf Kownacki, spielt den Pass auf Brekalo, lässt den Pfosten klirren – und erntet Standing Ovations vom blockweise eingereisten Anhang. Zwei Treffer, eine Vorlage, zwei Mal Holz: Reese’ Bilanz liest wie ein Manifest. „Ich hab meine Räume genommen, meine Duelle gewonnen“, sagt er nach Abpfiff, als hätte er nur seine Sportschuhe geschnürt und nebenbei die Saison neu erfunden.
Dahinter liegt eine Startphase, in der Hertha noch wirkte wie ein Verlierer im Gewinnerkostüm. Der frühe Gegentreffer, ein verschossener Querpass von Reese selbst – es roch nach der alten Berliner Verunsicherung. Doch statt zu frisieren, schalteten Dawid Kownacki, Josip Brekalo und die Flügelzange Winkler/Reese Tempo drei. Düsseldorf stand plötzlich mit zwei Achtern auf der Bremse, weil der Ball immer schon wieder vorbei war. Die 5:2-Kanone fällt nicht vom Himmel, sie ist Resultat konternder Ketten, die innerhalb von drei Sekunden von Abwehr bis Tor laufen.

Der abstand bleibt, die stimmung kippt
10 Punkte aus vier Spielen – das ist Aufstiegsform. Nur: Dritter Holstein Kiel ist trotzdem noch sieben Zähler weg, die direkten Konkurrenten gewinnen auch. Die Rechnung bleibt hart: Hertha braucht sieben Finals, mindestens 17 Punkte, vielleicht mehr. „Wir haben eine Verpflichtung, alles zu geben“, sagt Reese und klingt dabei weniger wie ein Kapitän, sondern wie ein Geschäftsführer, der weiß, dass der Laden brennt.
Trainer Stefan Leitl redet von „Spielräumen, die wir endlich nutzen“, Torwart Tjark Ernst von „Räumen, die man uns gibt“. Die Sprache ist durchgehend von Offenräumen, nie von Tabellenräumen. Die Mannschaft umgeht das Wort „Aufstieg“ wie ein Foul, das man nicht begehen will. Dafür feiert sie das kollektive Selbstbewusstsein: fünf Tore, alle über kurze, schnelle Kombinationen, kein Standard, kein Elfmeter. Hertha schießt sich warm, nicht nur in der Tabelle – sie schießt sich in den Kopf zurück.

Dresden als nächste feuerprobe
Am 4. April geht’s nach Dresden, wo die Fans schon wissen, wie man Berlin empfängt: laut, kalt, mit 30.000 Leuten, die sich die Hände wund klatschen. Marton Dardai soll wieder dabei sein, nachdem er in Düsseldorf kurz ohnmächtig neben Jordi Paulina lag. „In der Halbzeit war er okay“, sagt Leitl, doch die medizinische Abteilung wird den Innenverteidiger noch einmal durchchecken, bevor er wieder in die Kettenfahrt steigt.
Die Hertha ist also noch lange nicht oben, aber sie ist endlich wieder eine, die oben mitreden will. Reese hat in Düsseldorf bewiesen: Selbst wenn der Rückstand groß ist, kann ein einzelner Kopf eine ganze Saison umlenken – wenn er nur lange genug Ball und Nerven behält. Sieben Spiele, ein Kapitän, ein Anspruch. Alles andere ist Formsache. Und Form kann sich in Berlin derzeit von Spieltag zu Spieltag ändern – siehe Düsseldorf.
