Heidenheim schockt st. pauli: blitztor und rettung in letzter sekunde

Budu Zivzivadze brauchte nur 180 Sekunden, um ein ganzes Stadion zum Toben zu bringen. Sein Tor nach drei Minuten war nicht nur das früheste der Heidenheimer Bundesligageschichte – es war auch der Startschuss für einen Abstiegskrimi, der bis zum letzten Atemzug dauern wird. Mit dem 2:0 gegen den FC St. Pauli hat der 1. FC Heidenheim seinen ersten Teil des „Doppelwunders“ abgehakt, das Trainer Frank Schmidt vor der Partie noch für nötig erklärt hatte.

Ein wunder ist nicht genug – es müssen zwei sein

Schmidts Satz ging viral. „Ein Wunder reicht nicht, es müssen zwei sein.“ Nach dem Sieg gegen Pauli steht sein Team bei 25 Punkten, vier Zähler hinter dem Relegationsplatz. Die Rechnung ist simpel: Noch zwei Siege, und der Club aus der Ostalb könnte tatsächlich die Kurve kriegen. Die Fans sangen nach dem Abpfiff „Wir sind wieder da!“, doch Schmidt wirkte wie ein Mann, der weiß, dass die echte Arbeit erst beginnt.

Seine Elf spielte mit der Anspannung von Hochseilakteuren. Nach der frühen Führung durch Zivzivadze, der einen abgewehrten Freistoß aus zwölf Metern versenkte, verwalteten die Hausherren das Ergebnis mit der Ruhe von Leuten, die wissen, dass ein zweiter Treffer alles entscheiden könnte. Der kam in der 82. Minute: Eren Dinkçi schloss einen Konter über links ab, ließ zwei Gegner stehen und schob ins lange Eck. Die Voith-Arena bebte, die Bank explodierte, Schmidt ballte nur die Faust – wie jemand, der merkt, dass das Seil unter seinen Füßen immer noch hält.

Pauli verschenkt die saison in 180 sekunden

Pauli verschenkt die saison in 180 sekunden

St. Pauli hingen von Anfang an nach. Die Gäste wirkten wie ein Team, das sich selbst nicht mehr glaubt. Mit nur einem Sieg aus den letzten acht Partien ist der Kiezclub auf dem besten Weg, die Rückkehr in die 2. Liga zu vollziehen. Coach Alexander Blessin wechselte dreimal bis zur Pause – vergeblich. Als Dinkçi das 2:0 erzielte, standen einige Paulianer mit den Händen auf den Hüften, als hätten sie das Skript schon gelesen.

Die Statistik ist gnadenlos: Pauli kassierte in dieser Saison bereits sieben Gegentore in den ersten fünf Minuten – kein Bundesligaclub ist so oft früh geschockt worden. „Wir schlafen uns in die Spiele hinein“, sagt Blessin. „Und dann rennen wir nur noch hinterher.“ Seine Mannschaft traf in den letzten 270 Spielminuten kein einziges Mal – ein Offensivnotstand, der sich nicht durch Systemwechsel lösen lässt.

Die tabelle lügt nie – und sie spricht deutsch

Die tabelle lügt nie – und sie spricht deutsch

Während Heidenheim aufatmet, wird der Blick auf die Konkurrenz immer schärfer. Mainz gewann in Augsburg, Union Berlin punktete in Leipzig, und selbst der VfL Bochum siegte gegen Freiburg. Das bedeutet: Der Vorsprung auf Rang 16 beträgt weiterhin vier Punkte, doch die Auswahl der Gegner für die letzten beiden Spiele ist alles andere als gnädig: Dortmund und Leipzig warten auf den FCH. Schmidt sagt: „Wir brauchen noch einmal dieselbe Intensität, dieselbe Aggressivität – und vielleicht ein bisschen Glück, das wir uns selbst erarbeiten müssen.“

Die Fans haben bereits ihre eigenen Reime parat: „Wenn wir Dortmund kriegen, dann ist der Knoten geplatzt!“ Der Club shoppt indes schon fleißig Sicherheitsausrüstung für den Relegationsfall: Tickets, Banderolen, Choreo-Anleitungen. Denn eines ist klar: Sollte Heidenheim doch noch den Klassenerhalt schaffen, wäre es die größte Rettungsaktion seit dem Wiederaufstieg 2021. Und der Mann, der damals in der 2. Liga den Aufstieg perfekt gemacht hat, ist immer noch dabei – Frank Schmidt, Rekordtrainer, Chronist und lebende Legende.

Die Saison ist noch nicht gerettet. Aber sie lebt. Und das ist mehr, als viele Experten dem Team noch vor zwei Wochen zugetraut hätten. Die nächsten 90 Minuten gegen Dortmund werden zeigen, ob das zweite Wunder tatsächlich möglich ist – oder ob Heidenheim doch nur eine Episode in der ewigen Geschichte des Abstiegsdramas bleibt.