Hecking blockiert st.-pauli-poker: ‚wir müssen gewinnen, punkt‘

Dieter Hecking redet sich den Schaum vor dem Mund – und meint es genau so. Beim VfL Wolfsburg ist Sonntagabend Endspiel, egal was St. Pauli tagsüber gegen Mainz anstellt. „Uns interessiert das Ergebnis dort wirklich null“, sagt der Coach, während seine Stimme die Risse der Saison verrät. Drei Spieltage noch, 17. Platz, ein Punkt Rückstand auf die Hamburger. Die Rechnung ist simpel: Nur ein Sieg beim SC Freiburg hält den VfL auf Kurs Klassenerhalt.

Stress statt schere im kopf

Die Spieler sollen am Sonntag erst einmal ihre Aufwärmrunden drehen, wenn die Konkurrenz längst durch ist. 15.30 Uhr, Millerntor: St. Pauli gegen Mainz. 19.30 Uhr, Schwarzwald-Stadion: Wolfsburg in Freiburg. Hecking will keine Live-Ticker auf den Rängen, keine Handy-Gezicke in der Kabine. „Stressresistenz entscheidet“, betont er und schickt seine Profis in ein mentales Wochenendlager. Wer am Rande des Rasens mitbekommt, dass Hamburg patzt oder punktet, darf sich nicht verrückt machen lassen. Die Anweisung lautet: Augen zu, Vollgas.

Die Zahlen sprechen gegen den VfL. Seit acht Auswärtsspielen wartet die Mannschaft auf einen Dreier, die letzten beiden Heimpartien endeten 1:3 und 0:3. Doch Hecking verweigert sich der Statistik. „Wir haben in Freiburg schon gewonnen, wir können es wieder“, sagt er und verweist auf den 2:1-Erfolg vom November 2023. Damals traf Jonas Wind doppelt – heute steht der Stürmer vor der Rückkehr in die Startelf. Seine Knie-Reha ist abgeschlossen, die Frage nur: Match-Fitness nach 70 Minuten oder 90?

Der kalender lügt nicht

Der kalender lügt nicht

Wer denkt, nach Freiburg werde es leichter, hat die Bundesliga nicht verstanden. Am 9. Mai reist St. Pauli zu RB Leipzig, Wolfsburg empfängt Bayern München. Ein Kellerkind kriegt den Meister, das andere den Champions-League-Halbfinalisten. Vier Tage später folgt der Showdown am Millerntor – dann könnte das Fernduell zum direkten Duell werden. Hecking lacht kurz auf die Frage, ob er schon Tickets für Hamburg blockiert. „Ich buche nur Freiburg. Wer danach noch Luft hat, darf weiter planen.“

Im Trainingslager an der Wedau verfolgen Co-Trainer und Analysten trotzdem jeden Pass, den Mainz am Millerntor schlägt. Die Info fließt live ins interne Netzwerk, weil Hecking weiß: Totalverweigerung funktioniert nur auf dem Papier. „Wenn Pauli verliert, wissen unsere Jungs es trotzdem. Dann sollen sie spüren: Jetzt wird’s leichter. Aber sie sollen auch wissen: Leichter wird’s nie, wenn wir nicht selbst liefern.“

25 Punkte, 17. Platz, ein Zähler Rückstand. Die Tabelle klebt wie Kaugummi an den Schuhen. Am Sonntagabend kann der VfL auf Relegationsrang 16 springen – oder auf 18 und damit fast ins Gras beißen. Hecking nimmt die Schere aus dem Spiel. „Abstieg oder nicht, das entscheiden wir nicht in Hamburg, sondern in unserem Kopf. Und der sagt: Gewinnen. Punkt.“