Hase/volodin liegen in prag vorne – gold nur 0,33 punkte entfernt
Minerva Hase und Nikita Volodin haben in der O2 Arena von Prag die Latte für die WM-Kür atemberaubend hochgelegt: 79,78 Punkte bedeuten Tabellenführung, der olympische Silberrang liegt 0,33 Sekundenbruchteile dahinter. Fünf Wochen nach Bronze in Mailand riegeln die Berliner die Krone ab – wenn die Nerven am Donnerstagabend halten.
Der tango, der alles veränderte
Als letztes Paar des Abends schwebten sie auf das Eis, wussten: Ein Händedrehen zu viel und Metelkina/Berulawa sausen vorbei. Stattdessen zeigten sie den „El Tango de Roxanne“ mit messerscharfen Kanten und einer Laufintensität, die selbst die kanadische Konkurrenz Pereira/Michaud verstummen ließ. 75,52 Punkte reichten den Nordamerikanern nur für Bronze – ein Rückstand, der sich wie ein Bann über deren Gesichtern zeigte.
Die Georgier schauten trotz Zwischenspitze nicht erleichtert: Metelkinas Blick hing an der Anzeigetafel, als hätte sie bereits die 0,33 Punkte als Warnung gelesen. Für Hase war der Vorsprung ein „Schatten“, wie sie nach dem Programm sagte: „Wir fühlen die Kür schon in den Beinen.“

Hocke/kunkel bleiben hängen – und mit ihnen ein traum
Ein Sprung, ein Knall, ein Seufzer. Annika Hocke verpasst den Dreifach-Salchow, knallt auf das Eis, und mit ihr purzeln vier Punkte in der Wertung. Rang zehn, 65,35 Zähler – für ein Paar, das vor zwei Jahren noch EM-Bronze holte, ist das ein Frustprogramm. „Ich spürte den Fehler schon beim Absprung“, gestand sie, während Partner Robert Kunkel die Schultern sinken ließ. Die Rechnung ist simpel: Ohne Sturz wären sie Vierter gewesen, nun schauen sie von Platz zehn auf die Medaillenränge hoch wie auf fernen Galaxien.
Dabei hatten die Berliner sich nach Mailan eigentlich fest gebissen: keine Patzer mehr, keine Halbzeitkrisen. Das Eis ist ein Spiegel, und heute zeigte es ihr Selbstzweifel in Echtzeit.

Die kür wird zum seiltanz – und vielleicht zur abschiedsvorstellung
Die Entscheidung fällt am Donnerstag um 18:15 Uhr. Hase und Volodin schwärmen nicht vom letzten gemeinsamen Wettkampf, doch die Gerüchteküche brodelt seit Wochen. Sollte Gold herausspringen, wäre es der perfekte Schlusspunkt einer Partnerschaft, die 2019 nach der Trennung von Hase/Seegert neu geboren wurde. Bleibt nur die Frage: Halten die Nerven, wenn 15.000 Zuschauer in Prag mit jedem Takt des Tango den Atem anhalten?
Die Antwort liegt in 24 Stunden – und in 0,33 Punkten, die wie ein Hauch zwischen Triumph und Silber schweben.
