Hans-Joachim Watzke wird neuer Präsident von Borussia Dortmund

Erst jubel, dann der dämpfer

Hans-Joachim Watzke ist neuer Präsident von Borussia Dortmund. Die Mitglieder erfüllten ihm zwar einen "Lebenstraum", gaben ihm aber auch einen deutlichen Denkzettel. Der 66-Jährige bekam auf der XXL-Mitgliederversammlung in der Dortmunder Westfalenhalle nur 59 Prozent der Stimmen. Erwartet hatte man intern mindestens 70 Prozent.

Watzke nimmt die wahl an

Watzke nimmt die wahl an

"Ich nehme die Wahl an und zolle meinen Kritikern Respekt", sagte Watzke nach dem Ergebnis, begleitet von Buh-Rufen im Saal. "Ich habe sehr viel Demut und Respekt vor dieser Aufgabe", erklärte der langjährige Geschäftsführer, der als einziger Kandidat antrat.

Emotionale abschiedsrede

Emotionale abschiedsrede

Zuvor hatte er sein Amt als Geschäftsführer niedergelegt – und wurde dafür minutenlang gefeiert. In seiner emotionalen Abschiedsrede kämpfte Watzke mit den Tränen. "Da ist schon viel Wehmut dabei", sagte er und blickte auf 21 Jahre zurück: die drohende Insolvenz 2005, das Bombenattentat auf den Mannschaftsbus 2017 ("das war eine Zäsur") und die Corona-Pandemie.

Watzke dankt reinhold lunow

Watzke dankt reinhold lunow

Dann die Überraschung: Watzke richtete persönliche Worte an seinen früheren Widersacher, den scheidenden Präsidenten Reinhold Lunow. "Lieber Reinhold Lunow: Du hast mich immer unterstützt und warst da, als wir in den Abgrund geblickt haben. Dafür möchte ich dir heute auch ganz herzlich danken", sagte Watzke. Lunow reagierte gerührt. "Dass es in letzter Zeit Schwierigkeiten gab, dass wir auseinander gebracht worden sind, das war nicht unbedingt unsere persönliche Schuld. Das lag auch an Leuten im Umfeld, die das befeuert haben. Das war nicht nötig", sagte der 72-Jährige unter Tränen und wünschte Watzke "alles Gute". Die beiden umarmten sich.

Watzkes erfolge und herausforderungen

Watzke hatte den BVB in seiner Amtszeit saniert und zum größten Bayern-Jäger gemacht. Unter seiner Führung wurde der Klub zweimal Meister, dreimal Pokalsieger und erreichte zweimal das Champions-League-Finale. Er sprach auch ein sensibles Thema an – die Missbrauchsvorwürfe gegen einen ehemaligen Mitarbeiter aus den 1990er Jahren. "Da wird einem einfach nur schlecht. Man erschaudert", sagte er betroffen und sprach den Opfern ein "tief empfundenes Mitgefühl" aus. Zwei Anwaltskanzleien sollen die Fälle nun aufarbeiten.

Watzkes zukünftige rolle

Watzke bleibt trotz des Abschieds als Boss ein Schwergewicht im deutschen Fußball. Er ist weiterhin Aufsichtsratschef der Deutschen Fußball Liga, DFB-Vizepräsident und Mitglied im UEFA-Exekutivkomitee. Auch als Vereinspräsident wird er beim BVB eine prägende Figur bleiben.