Hanfmann schlägt giron in madrid: deutscher tennisveteran zittert sich in runde zwei
Yannick Hanfmann hat in Madrid gezittert, gebolzt und am Ende doch noch gelacht. Der 34-jährige Schwabe bezwang den US-Boy Marcos Giron mit 6:4, 6:7, 7:5 – und schob sich nach 2:23 Stunden in die zweite Runde des ATP-Masters. Der Matchball landete wie ein Befreiungsschlag im Kreuz, Hanfmann ballte die Faust, die Caja Mágica kochte.
Erster satz wie ein lehrbuch, dann kam das tiebreak-desaster
Was für ein Start! Hanfmann rauschte durch den Auftaktakt, schenkte Giron im ersten Satz nur drei Aufschlagpunkte ab und servierte dreimal auf 200 km/h plus. Die Rückhand cross war ein Rasierer, der Amerikaner taumelte. Doch im zweiten Durchgang drehte Giron auf, schmiss Winner um Winner, zerlegte Hanfmann im Tiebreak mit 7:3. „Plötzlich war der Druck da, die Beine schwer“, gestand Hanfmann später bei Sky.
Das Break zum 6:5 im dritten Satz aber holte sich der Deutsche mit einem Returnwinner, den er selbst nicht fassen konnte. „Ich hab nur geschwungen – und plötzlich saß er.“ Fünf Matchbälle brauchte er trotzdem, beim letzten zitterten ihm fast die Knie. „Ich bin zufrieden, dass ich gewonnen habe. Das war ein Nervenspiel“, sagte er, aber die Stimme zitterte noch.

Nächster gegner: sandplatz-biest cerúndolo
Jetzt wartet Francisco Cerúndolo, Nummer 16 der Setzliste, Argentinier, geboren auf roter Asche. Hanfmann kennt die Statistik: 0:2 im Head-to-Head, beide Matches auf Sand, kein Satzgewinn. „Ich fühle mich wohl hier in Madrid, heute war mit Sicherheit nicht mein bestes Match. Aber ich kann mich steigern“, sagt er – und klingt dabei wie ein Mann, der sich selbst noch einmal überlisten will.
Die Wahrheit: Hanfmann ist Weltranglisten-60., spielt mit Hausverbot gegen die Top 20. Aber in Madrid schlägt das Herz der deutschen Tennisgemeinde gleich doppelt: Auch Jan-Lennard Struff düste in Runde zwei, und Alexander Zverev darf als Titelverteidiger direkt dort einsteigen. Die deutsche Truppe ist komplett – und Hanfmann liefert das erste Drama.
Donnerstagnacht verließ er den Platz mit geröteten Augen und einem Grinsen, das nicht verrutschte. 34 Jahre, 1,93 Meter, 85 Kilo reine Entschlossenheit. In Marrakesch war er verletzt raus, Madrid ist seine zweite Frühlingssonne. Gegen Cerúndolo muss er früher returnieren, den Rückhand-Longline häufiger ziehen – und vor allem: die Nerven behalten. Sonst wird die Caja Mágica zur Caja Tragica.
