Hanfmann scheitert an bellucci – traum vom ersten stuttgart-viertelfinale zerplatzt
Die BOSS Open tragen heute ein weiteres Kapitel deutscher Tennis-Enttäuschung. Yannick Hanfmann rauft sich nach 2:17 Stunden die Haare, Mattia Bellucci wirft den linken Arm in den Schwäbischen Nachmittagshimmel. 5:7, 7:6 (7:4), 2:6 – eine Zäsur, die länger weh tut als die Oberschenkel-Krämpfe, die den Karlsruher im dritten Satz lahmlegten.
Hanfmanns jubiläum wird zur geduldsprobe
Es hätte sein 200. ATP-Match und der 100. Sieg sein sollen, der ihn erstmals in ein Viertelfinale auf heimischem Rasen katapultiert. Stattdessen schlurft der 34-Jährige zum Netz, gratuliert Bellucci mit dem kantigen Gesicht eines Mannes, der gerade eine Gehaltserhöhung versehentlich abgelehnt hat. Die Zahlen sind gnadenlos: zwei Matchbälle im zweiten Satz abgewehrt, dann doch die Kurve gekriegt – nur um im dritten Satz wie ein vergesslicher Akku auszugehen.
Die italienische Rakete Bellucci, erst 25 und mit einem Service, der die Reichweite eines Smartphones übersteigt, nutzte jede Sekunde. 19 Winner im letzten Satz, davon sechs Return-Aces, die Hanfmanns Selbstvertrauen in kleine Stücke rissen. „Es hat einfach nicht gereicht“, murmelt er später vor der Mixed Zone, als hätte jemand seine Sprachbox leer gesaugt.

Deutschland bleibt auf struffs schultern
Jetzt lastet der Druck auf Jan-Lennard Struff. Er ist der letzte verbliebene deutsche Akteur im Turnier – und sein Achtelfinale gegen Alexander Bublik wurde gerade wegen Regen unterbrochen. Die Centre-Court-Decke schließt sich wie ein Vorhang, der einen schlechten Akt beenden soll. Die Fans, die Hanfmann noch vor zwei Tagen mit „Jaaaa-nick!“-Sprechchören gefeiert hatten, zerren jetzt ihre Regencapes über die Köpfe.
Der Weissenhof, sonst Bühne für Sommer-Sonne und Gelächter, wirkt plötzlich kahler. Kein Alexander Zverev, der in Paris den Muskelfaserriss kurz vor dem Halbfinale riskierte. Kein Oscar Otte, der vor Wochenfrist in Halle früh scheiterte. Und jetzt auch kein Hanfmann mehr, der hier 2023 noch das Halbfinale erreicht hatte. Die Statistik nagt an der deutschen Seele: Seit Boris Beckers Zeiten hat kein Deutscher dieses Turnier gewonnen.
Die Rechnung ist simpel: 768.220 Euro Preisgeld locken, aber das Herz der Fans will eine Geschichte. Heute flüstert Stuttgart nur noch das leise Klatschen des italienischen Anhangs. Und Hanfmann? Er stapft mit gesenktem Kopf in die Kabine, den Schläger schon halb in der Hülle. Die Saison geht weiter, die Träume auch – nur heute steht Stuttgart ein wenig still.
