Handball-stars springen ins prosieben-format: späth und schluroff testen tv-glück

Handball ist laut, schnell, brutal – aber selten quotenstark. Das will der Deutsche Handballbund jetzt ändern. Sein Mittel: zwei Vize-Europameister, eine Kameraschwäche und die wohl durchgeknallteste Late-Night-Duo des Landes.

Am Montag schlüpfen David Späth und Miro Schluroff in die Joko-&-Klaas-Maschine. ProSieben wirft Torwart und Rückraumspieler in ein Format, das eigentlich kein Sportsender senden würde. „Wir haben die Sendungen als Kinder verschlungen“, sagt Späth. „Jetzt sitze ich selbst auf dem Sofa – nur dass das Sofa 400 Leute platzsparend in eine Halle quetscht.“

Handball kauft sich in die popkultur

Der Auftritt ist kein Spaßvergnügen, sondern Teil eines frischen TV-Deals. ProSieben wird offizieller Partner des DHB. Statt klassischer Bundesliga-Konferenzen experimentiert der Verband mit Clips, Challenges und Influencer-Crossovern. Benjamin Chatton, Nationalmannschaftsmanager, nennt das „sekundengenaues Storytelling statt 60-minütiger Langeweile“. Klingt nach PR-Sprech, ist aber eine Antwort auf ein echtes Problem: Handball guckt in Deutschland nur, wer selbst mal einen Ball geworfen hat. Der Rest schaltet um.

Die Quote des letzten EM-Finales lag trotz Silberglanz unter vier Millionen. Das reicht weder Sponsoren noch jungen Talenten, die zwischen TikTok und Fußball-Boom verloren gehen. Also fliegt die Nationalmannschaft statt zur klassischen Presse-Runde ins Fernsehen, das sonst eher Dating-Shows und Koch-Wettbewerbe sendet. Das Risiko: plumpes Comedy-Foul. Die Chance: ein Gesicht jenseits von Sky-Kommentatoren.

Sportlich steht vor dem spaß noch arbeit an

Sportlich steht vor dem spaß noch arbeit an

Vor der Liveschaltung nach München muss aber erst mal der Afrikameister aus dem Weg geräumt werden. Sonntag, 15.30 Uhr, Bremen – zweites Testspiel gegen Ägypten. Donnerstag gewann Deutschland 41:38, aber Alfred Gislason warnte trotzdem vor „Sekunden Schlaf vor dem Kreis“. Die Bude kostet nicht nur Nerven, sondern auch TV-Termine. Ein verletzter Schluroff würde ProSieben umdrehen, denn der Plan steht: erst Sieg, dann Show.

Ob die neue Mischung funktioniert, entscheidet sich nicht im Studio, sondern in den nächsten Monaten auf Instagram, YouTube und dem heimischen Sofa. Die Handballer haben verstanden: Wer nicht auffällt, verschwindet. Also springt Späth ins kalte Wasser – und hofft, dass es diesmal nicht das Tor ist, sondern die Quote.