Handball-revolution im free-tv: prosieben stößt ard und zdf vom spielfeld
Der Ball liegt jetzt bei ProSieben. Nach jahrenlaster Dominanz von ARD und ZDF haben sich die Münchener die Übertragungsrechte für alle deutschen Handball-Weltmeisterschaften bis 2031 gesichert – und schon heute zeigen sie den Ägypten-Doppelpack live.
Die Zahlen sind ein Schlag ins Gesicht der Öffentlich-Rechtlichen: 60 Länderspiele der DHB-Teams, alle WM-Turniere der Männer und Frauen, drei Weltmeisterschaften am Stück. ProSiebenSat.1 hat beim Handball einen Deal eingefädelt, von dem selbst Fußball-Rechte-Jäger träumen.

Silvio heinevetter wird zum gesicht der neuen ära
Wer heute Abend um 18:15 Uhr in Dortmund oder am Sonntag um 15:30 Uhr in Bremen die deutschen Handballer gegen Ägypten sehen will, muss umschalten. Moderatorin Andrea Kaiser, Kommentator Florian Schmidt-Sommerfeld und TV-Experte Silvio Heinevetter bilden das neue A-Team der Sportart.
Der Ex-Weltklassetorhüter ist dabei kein Zufallsprodukt. Heinevetter verkörpert die Modernisierung, die ProSiebenSat.1 mit dem Handball vorantreibt: Jünger, direkter, social-media-tauglicher. Während ARD und ZDF auf altgediente Moderatoren setzen, holt der Privatsender Prominenz direkt vom Feld.
Die Entscheidung der DHB-Führung, sich mit ProSieben einzulassen, war ein Risiko. Die öffentlich-rechtlichen Sender hatten die Europameisterschaft 2024 noch mit Traumquoten begleitet. Doch die Lockrufe der Münchener waren zu verlockend: Reichweite garantiert, cross-mediale Vermarktung, digitale Zusatzangebote.
Die Folgen sind heute spürbar. Fans müssen umgewöhnen. Wer sonntags nach der Sportschau gewohnt war, findet die Handball-Highlights nun zwischen Galileo und taff. Die redaktionelle Einbettung ist eine andere, der Tonfall lockerer, die Moderation schnittiger.
Ob sich das Konzept am Ende rechnet, entscheidet sich nicht nur an Einschaltquoten. ProSiebenSat.1 hat sich mit dem Engagement eine neue Zielgruppe erschlossen – und gleichzeitig ARD und ZDF vor eine Zerreißprobe gestellt. Wenn Handball künftig Millionen-Publikum bei ProSieben erreicht, war das letzte Wort noch nicht gesprochen.
Für den DHB jedenfalls ist der Deal ein Schachzug. Mehr Geld, mehr Sichtbarkeit, mehr Zukunft. Ob das reicht, um in Zeiten von Netflix und DAZN die Jugendlichen hinter dem Ball zu versammeln, zeigt sich ab 19:15 Uhr, wenn Heinevetter live aus Dortmund kommentiert, wie Deutschland gegen Ägypten den nächsten Sieg einfährt.
