Handball-ikone häfner: der halbrechte, der die zeit vergisst

Mit 36 Jahren schreibt Kai Häfner gerade Handballgeschichte. Während andere seiner Generation längst zurückgezogen haben, liefert die Rückraum-Rakete des TVB Stuttgart weiterhin auf höchstem Niveau und ist aktuell zweitbester Torschütze der Bundesliga – ein bemerkenswertes Comeback des Routiniers.

Was hinter der unglaublichen konstanz steckt

Kai Häfner ist kein Neuling im deutschen Handball. Frisch Auf Göppingen, Balingen-Weilstetten, Hannover-Burgdorf und Melsungen – die Liste seiner ehemaligen Vereine liest sich wie ein Who-is-Who der Bundesliga. Doch seit seinem Wechsel nach Stuttgart im Jahr 2023, wo er an der Seite seines Bruders Max spielt, scheint eine neue Energie in ihm zu stecken. 177 Tore in der aktuellen Saison sprechen für sich. Nur Mathias Gidsel, der Welthandballer der Füchse Berlin, übertrifft diese Quote mit 209 Treffern.

„In dieser Saison habe ich auch die Aufgabe als Siebenmeterschütze übernommen, was meine Chancen, in jedem Spiel mehr Tore zu erzielen, natürlich erhöht“, erklärt Häfner. Doch es ist mehr als nur die zusätzliche Verantwortung. Seine Erfahrung, seine Übersicht und seine präzisen Würfe machen ihn zu einer echten Gefahr für jede gegnerische Abwehr.

Vor dem Spiel am Sonntag gegen den Aufsteiger Minden steht Häfner bei beeindruckenden 552 Bundesliga-Spielen. Ein Wert, der ihm eine ganz besondere Stellung im deutschen Handball einbringt. Sein Vertrag bei den Stuttgartern läuft noch bis 2027, doch der Veteran ist realistisch: „Man muss auf seinen Körper hören und offen für Neues sein. Der Handball hat sich in den letzten 20 Jahren enorm verändert.“

Kretzschmar adelte den alten meister

Kretzschmar adelte den alten meister

Die Belastung ist spürbar. „Die langen Busfahrten tun weh, das merkt man zwei, drei Tage danach“, gesteht Häfner. Aber er scheint die Herausforderung anzunehmen. Und er erntet Anerkennung von Experten. Stefan Kretzschmar, selbst eine Handball-Legende, bezeichnet Häfner im Podcast „Kretzsche & Schmiso“ als „den besten Halbrechten in Deutschland. Ohne Zweifel!“

Die Frage nach einem Comeback in der Nationalmannschaft ist nach Häfners Verabschiedung nach den Olympischen Spielen 2024 in Paris zwar offiziell beantwortet, doch er lässt eine Hintertür offen: „Wenn eine Ausnahme-Situation eintritt, kann man immer mit mir reden.“

Nur vier Spieler in der Bundesliga haben die 600-Spiele-Marke überschritten. Häfner lacht: „Ich bin froh, dass es schon so viele Spiele geworden sind. Die 600 wären das nächste Ziel, aber ich glaube, selbst wenn ich alle Spiele mache, wird es knapp.“

Die Zahlen sprechen für sich: Kai Häfner ist mehr als nur ein Spieler. Er ist ein Symbol für Beständigkeit, Leidenschaft und die unglaubliche Widerstandsfähigkeit des menschlichen Körpers. Und er zeigt, dass Alter nur eine Zahl ist, wenn man seine Leidenschaft lebt. Der Handball hat einen Kaiser, und er trägt die Nummer 10.