Handball-bundesliga 2026/27: die große revolte beginnt jetzt
Während die Bälle in dieser Saison noch rollen, schieben die Klubs der Handball-Bundesliga Frauen schon die Schachfiguren für 2026/27. Borussia Dortmund wirbelt den Markt auf, Thüringer HCschottet sich mit einer Sechser-Transfer-Offensive ab – und ein großer Name verabschiedet sich für immer.
Bvb wirft 600.000 euro in die waagschale
Schon jetzt kristallisiert sich ein neues Machtgefüge heraus. Dortmund löst sein Transfer-Budget fast komplett auf: Mit Marel Freriks holen die Westfalen eine der besten Kreisläuferinnen Europas aus Bukarest, dazu Nationaltorhüterin Nicole Wiggins Sancho aus Spanien. Die Ablösesumme für Freriks allein: geschätzte 150.000 Euro. Addiert man die übrigen Neuzugänge, dürfte der Borden am Ende der Planungsphase die halbe Millionen-Marke geknackt haben.
Doch der Coup hat zwei Seiten. Weggehen müssen dafür Kaja Kamp Nielsen, die als „Motor der Abwehr“ galt, und Trainer Henk Groener, dessen Ziel noch unbekannt ist. Derweil steht Kay Rothenpieler schon als Nachfolger fest – ein Coach, der zuletzt in Spanien mit Handbol Marratxi gearbeitet hat und für sein 3-2-1-System bekannt ist.

Thüringer hc baut ein neues alpendorf
In der laufenden Spielzeit noch auf Platz vier abgestürzt, reagiert der THC mit dem größten Umbruch seiner Klubgeschichte. Sieben Neuzugänse stehen bereits fest, darunter Luca Csikos vom ungarischen Top-Klub Vaci NKSE und Marcela Arounian, eine zurückgekehrte Weltklasse-Linkshänderin aus Frankreich. Das Ziel: Ein Mix aus Erfahrung und Tempo, der in zwei Jahren wieder die Champions-League-Tickets sichert.
Wehmut kommt trotzdem auf. Johanna Reichert zieht es nach Rumänien, Nathalie Hendrikse beendet ihre Karriere – mit nur 29 Jahren, weil der Kreuzbandreiz einfach nicht mehr weggeht. „Ich will den Schmerz nicht zum Alltag machen“, sagte sie dem Klubmagazin. Ein Satz, der nachhallt.

Die stillen gewinner: neckarsulm und bensheim
Während die Großen pokern, schieben Sport-Union Neckarsulm und HSG Bensheim/Auerbach leise ihre Bretter. Neckarsulm sichert sich mit Sina Ehmann eine Kreisläuferin, die in Göppingen 98 Tore warf – und damit mehr als jede Teamkollegin. Bensheim wiederum lotet skandinavisches Potenzial aus: Schwedinnen, Däninnen, ein ungarisches Riesentalent – alles Spielerinnen unter 23, vereint in einem Kader, der 2027 um die Meisterschaft mitspielen könnte.
Die Logik dahinter: Junge Athletinnen kosten weniger Ablöse, entwickeln sich schneller und steigern den Marktwert. Ein Modell, das in der Männer-Bundesliga längst Standard ist, nun also auch Frauenhandball erreicht.

Abgänge, die wehtun
Nicht jeder Wechsel ist freiwillig. Melinda Szikora beendet ihre Laufbahn nach einer Serie von Knie-Operationen, Louisa de Bellis wirft in Göppingen ebenfalls hin – mit 27 Jahren. Die Liga verliert damit zwei Gesichter, die schon seit der U18-Nationalmannschaft für Furore sorgten. Ihre Lücken zu füllen, wird mindestens eine Saison dauern.
Und dann ist da noch Levke Kretschmann. Sie wechselt von Buxtehude nach Thüringen, weil sie „sportlich wieder bei Null anfangen“ will. Ein Satz, der sich wie ein Seufzer liest.
Fazit: die karten sind verteilt – spielstart 2026
Die Weichen für die Saison 2026/27 sind gestellt. Dortmund setzt auf Teuer-Klasse, Thüringen auf Quantität, die Außenseiter auf jugendliche Dynamik. In Zahlen: 54 feststehende Transfers, elf Nationalitäten, vier Trainerwechsel – und eine Summe, die sich locker in die Millionenregion bewegt. Die Liga wird schneller, internationaler, teurer. Der Countdown läuft, und die Fans dürfen sich auf ein Handball-Jahr freuen, das so offen ist wie lange keines mehr.
