Hakimi fällt aus – ruiz’ knie entscheidet den einzug

Paris baut um, München lauert. Ohne Achraf Hakimi reist PSG in die Allianz Arena – und plötzlich hängt ein ganzer Saisontraum am linken Knie von Fabian Ruiz.

Enrique muss improvisieren – und das in rekordzeit

Luis Enrique hatte den 5:4-Krimi im Parc des Princes noch nicht verdaut, da stand seine Defensive schon wieder in Flammen. Hakimi zog sich eine Oberschenkelzerrung zu, ausgerechnet jetzt, ausgerechnet vor dem Rückspiel in München. Die Lösung? Ein 19-Jähriger rückt nach rechts, ein Drei-Monate-Pause-Rückkehrer soll das Mittelfeld dirigieren. Klingt nach Notoperation, ist aber die wahrscheinliche Startformation.

Warren Zaïre-Emery spielte gegen Lorient noch Zentrale, gegen Bayern wird er Hakimis Außenbahn übernehmen. Die Bühne ist groß, der Gegner heißt Vincent Kompany, und der hat nach dem Torregen eins klar gemacht: sehen will er so was nicht noch mal. Zaïre-Emery kann sprinten, aber hinten stabilisieren? Eine Wette.

Ruiz’ kniescheibe: schmerzfrei, aber wie lange?

Ruiz’ kniescheibe: schmerzfrei, aber wie lange?

Fabian Ruiz trainiert seit zehn Tagen ohne Beschwerden. 61 Minuten gegen Lorient, danach keine Reaktion. Intern feixen sie in Paris: „Er ist heiß wie 1999er Rioja.“ Doch die Frage bleibt, ob die Rioha nach 75 Minuten noch schmeckt oder ob sie bitter wird. Die Allianz Arena ist kein Testspiel, sie ist ein Pressingwirbel mit 75.000 Volt. Ein falsches Aufsetzen, ein Dreher, und die Verlängerung ist ohne ihn gestellt.

Enrique hat Optionen, keine wirklich guten. Lucas Beraldo als Sechser? Dann verteidigt Paris mit einer Fünferkette und verzichtet auf zwei Stürmer. Désiré Doué früh bringen? Toll für die Offensive, fataal für die Balleroberung. Die einzige Konstante: ohne Kontrolle im Zentrum wird Kane und Musiala zur Fahrt freigegeben. Und genau diese Kontrolle soll Ruiz liefern – mit einem Knie, das vor drei Monaten noch zerbrochen war.

Die Zahlen sprechen gegen ihn: seit seiner Rückkehr erst 104 Spielminuten, kein Vollgas-Duell, keine Champions-League-Lautstärke. Die Psyche spricht für ihn: Ruiz gilt als eiskalt, selbst als er vor dem MRI-Schlauch saß, soll er gefragt haben: „Wann darf ich wieder spielen?“ Diese Mischung aus Ruhe und Raserei braucht Paris, um das Bayern-Tempo zu drosseln.

München weiß bescheid – und plant den gegenstoß

München weiß bescheid – und plant den gegenstoß

Kompany hat die Szenarien durchgerechnet. Zaïre-Emery auf rechts? Dann lässt er Raphael Guerreiro nach innen ziehen, um den Jungen zu überladen. Ruiz von Anfang an? Dann presst Pavlović auf seine erste Ballannahme, um den Rhythmus zu zerren. Paris mag im Vorteil sein durch das 5:4, doch der Vorsprung ist so dünn wie Hakimis Muskelfaser. Ein Tor, und die Gesamt-Tordifferenz kippt.

Enrique wird bis Mittwoch 18:45 Uhr nicht verraten, ob Ruiz in der Startelf steht. Er wird aber wissen: wechselt er zu spät, jagt er der Partie hinterher. Wechselt er zu früh, jagt er vielleicht der Karriere seines Mittelfeldstrategen hinterher. Ein Kompromiss gibt es nicht, nur 90 Minuten, in denen ein einzelnes Knie über Einzug oder Auszug entscheidet.

Paris hat schon ohne Mbappé gewonnen, schon ohne Marquinhos, aber ohne Kontrolle in München? Das wäre neu. Und so steht Fabian Ruiz am Mittwoch nicht nur im Mittelfeld, sondern auch im Mittelpunkt der Saison. Seine Kniescheibe trägt das Logo der Champions League – und das Gewicht einer ganzen Stadt.