Hacker lähmen us-alkohol-sperren: tausende autos bleiben stumm

Ein Schlag in die Magengrube der US-Verkehrssicherheit: Seit zehn Tagen friert der Zündschlüssel Tausender Betroffener in den USA fest – nicht wegen Promille, sondern wegen einem digitalen Anschlag. Cyberkriminelle hackten die Server von Intoxalock, dem Marktführer für sogenannte Ignition-Interlock-Geräte, und legten damit ganze Fahrzeugflotten lahm.

Die Bombe platzte am 14. März um 09:00 Uhr Ortszeit. Innerhalb von Sekunden brach die Online-Verbindung zwischen den Atemalkohol-Messgeräten und der Zentrale in Des Moines, Iowa, zusammen. Ergebnis: Wer einen Atemtest machen wollte, bekam statt Freigabe einen kalten Bildschirm. Motor startet nicht – Punkt. Die Betroffenen standen vor verschlossenen Türen, während ihre Termine verstrichen und Arbeitsplätze unerreicht blieben.

So funktioniert die alkohol-falle am zündschlüssel

Intoxalock-Geräte sitzen zwischen Zündung und Computer des Fahrzeugs. Vor jeder Fahrt muss der Fahrer ins Mundstück pusten. Misst das Gerät 0,00 Promille, sendet es einen verschlüsselten Freigabe-Code an die Motorsteuerung. Gleichzeitig speichert es die Messdaten auf einem zentralen Server, damit Gerichte und Aufsichtsbehörden jederzeit nachvollziehen können, ob der Straftäter sich an das Alkoholverbot hält.

Doch genau diese Server fielen dem Hacker-Angriff zum Opfer. Die Bande – Identität weiterhin unklar – infiltrierte offenbar ein Update-Modul, das die Geräte alle 24 Stunden mit neuen Kalibrierwerten versorgt. Ohne diese Werte bleibt der Mikrochip stur: Kein Signal, kein Start. Ein klassisches »Fail-Closed«-Prinzip, das nun zu einem Fail-Catastrophe wurde.

Erst am Sonntagabend, 22. März um 17:30 Uhr, konnte Intoxalock nach eigenen Angaben die Server wieder hochfahren. Inzwischen laufen interne und externe Forensik-Teams auf Hochtouren. Die Polizei ermittelt wegen Sabotage an sicherheitsrelevanter Infrastruktur, ein Delikt, das in den USA mit bis zu 20 Jahren Haft geahndet werden kann.

Italiener sind nur indirekt betroffen – dennoch stehen sie vor einem problem

Italiener sind nur indirekt betroffen – dennoch stehen sie vor einem problem

Intoxalock-Geräte sind in Italien nicht zugelassen. Die Straßenverkehrsordnung erlaunt dort ausschließlich Breatech Alcolock B1000 und Zaldy Alcolock V3. Beide Modelle verwenden ein dezentraleres Kalibrier-System: Testlabore schicken Protokolle per Mail an die Behörde, nicht an den Hersteller. Theoretisch ein Sicherheitsplus.

Doch praktisch zählt ein anderer Engpass. Wer in Italien einen Alkohol-Interlock montiert bekommen muss, findet kaum eine Werkstatt. Laut Transportministerium existieren landesweit kaum mehr als 30 zugelassene Betriebe – fast alle im Norden. Wer in Palermo, Cagliari oder Neapel wohnt, fährt für die Umrüstung mitunter 1.000 Kilometer. Die Kosten: bis zu 1.500 Euro plus Hotel und Urlaubstage.

Die Zahl der Betroffenen steigt rapide. Seit Januar 2025 droht bei Alkohol am Steuer mit einem Promillewert über 0,8 g/l die Pflicht zur Nachrüstung. Die ersten Gerichtsurteile sind gefällt, doch viele Verurteilte warten noch ab – aus Angst vor Wochen ohne Auto und tausenden Euro Reisekosten.

Die Lage spitzt sich zu. Die Werkstätten im Norden melden Wartezeiten von bis zu drei Monaten. Ein Schwarzmarkt für Gebrauchtgeräte blüht bereits auf Ebay-Kleinanzeigen-ähnlichen Portalen, obwohl die Installation laut Gesetz nur durch zertifizierte Monteure erfolgen darf. Die Behörde reagierte bisher mit Schweigen.

US-Experten raten indes dazu, „redundante Server-Cluster“ und „Zero-Trust-Architekturen“ einzuführen. Doch selbst die beste Firewall nützt nichts, wenn die Infrastruktur fehlt. In Italien wiegt das größere Risiko nicht in der Cyber-Ebene, sondern auf der Landkarte: zwischen den Werkstätten und den Millionen Autofahrern, die irgendwann den Atemtest machen müssen. Die Uhr tickt – und der Motor bleibt kalt, bis jemand pustet. Oder bis jemand endlich die Werkstatt-Karte füllt.