Haaland spielt den underdog: norwegen gegen brasilien – "chancen sehr gering"
Der weiße Cowboyhut saß. Erling Haaland lächelte, küsste seine Freundin Isabel auf der Tribüne in Dallas – und stapelte dann tief. "Sehr gering", sagte der Matchwinner zum norwegischen Sender NRK, als er nach den Aussichten im WM-Achtelfinalegegen Brasilien gefragt wurde. Der Grund? "Weil Brasilien der große Favorit ist."
Ein tor, das norwegen verändern könnte
Das 2:1 gegen die Elfenbeinküste hatte Haaland selbst besiegelt. Minute 86. Sein fünfter Treffer in diesem Turnier. Nationaltrainer Ståle Solbakken schwärmte: "Der beste Torjäger der Welt." Doch hinter der Bescheidenheit des 25-Jährigen verbirgt sich eine historische Chance. Norwegen steht erstmals seit 1998 wieder im Achtelfinale einer WM. Damals besiegten die Wikinger Brasilien mit 2:1 – Solbakken saß auf der Bank.
Die Statistik spricht für den Außenseiter. Keine Niederlage in vier WM-Spielen. Ein Team, das zusammengewachsen ist, während andere namhafte Nationen bereits packen. Aber Haaland kennt die Realität. Brasilien bleibt der Rekordweltmeister, die Ballkünstler, wie er sie nennt. Das Duell am Sonntag in East Rutherford wird sein Schicksalsspiel.

Nusa widerspricht dem superstar
Während Haaland untertrieben, schlug Teamkollege Antonio Nusa einen anderen Ton an. Der RB-Leipzig-Offensivspieler, dessen Traumtor in der 39. Minute gegen die Ivorer den Grundstein legte, lässt sich nicht einschüchtern: "Wir sind aus gutem Grund hier. Weil wir gewonnen haben und eine gute Mannschaft sind. Alles kann passieren. Es ist nur ein Spiel."
Das ist der Spagat dieser norwegischen Generation. Haaland als bescheidener Realist, Nusa als unerschrockener Aufsteiger. Beide vereint in einer Mannschaft, die mehr ist als die Summe ihrer Teile. Die Elfenbeinküste wurde überrannt, jetzt wartet der härteste Gegner. Aber genau das macht den Sport aus: Die Sekunde, in der der Underdog den Favoriten blinzelt und er nicht zurückblinzelt.
Haaland wird den weißen Hut gegen Brasilien nicht tragen. Zu riskant, zu auffällig. Aber das Lächeln von Dallas? Das behält er. Denn selbst wenn die Chancen "sehr gering" sind – sie existieren. Und für Norwegen, dieses kleine Fußballland zwischen Fjorden und Tiefsee, ist das bereits alles.
