Gummersbach schnuppert die champions league – ein wettlauf gegen die zeit?
Der VfL Gummersbach, einst eine Handball-Größe, steht plötzlich vor dem größten Coup seit Jahrzehnten: der Qualifikation für die champions league. Doch der Traum könnte an einer bürokratischen Hürde scheitern, die die Verantwortlichen des Vereins zunehmend verärgert.
Unsicherheit trübt die sportliche euphorie
Die Oberbergischen spielen die bisher beste Saison seit rund 20 Jahren und liegen mit nur zwei Punkten Rückstand auf die SG Flensburg-Handewitt auf dem zweiten Platz. Ein direkter Einzug in die Königsklasse wäre damit quasi sicher. Aber die geplante Reform des Wettbewerbs wirft einen langen Schatten auf die Planungen des VfL. Die Erweiterung der champions league von 16 auf 24 Teams könnte der Bundesliga zwar einen dritten Startplatz einräumen, doch die Vergabe der zusätzlichen Plätze ist alles andere als garantiert.
„Grundsätzlich haben wir das Thema champions league nicht tagtäglich besessen, da es bis vor ein paar Wochen nicht realistisch war“, so VfL-Geschäftsführer Christoph Schindler gegenüber Sport Bild. Doch nun ist der Verein mitten im Kampf um die Königsklasse und muss sich mit einem ungewissen Ausgang auseinandersetzen.

Ein wettlauf gegen die zeit und die ehf
Schindler setzt darauf, dass die ersten drei Mannschaften der Bundesliga sich für die champions league qualifizieren werden. Er argumentiert, dass der dritte Platz in der Bundesliga einen höheren Stellenwert haben sollte als der Sieg in der European League. „Das ist verrückt und zeigt das Problem im Handball auf. Wir reden über Professionalisierung und Investitionen, und dann hat man solche Geschichten. Und das ist gefühlt jedes Jahr so.“ Schindler kritisiert die späte Entscheidung der Europäischen Handball-Föderation (EHF) und die daraus resultierende Unsicherheit für die Vereine.
Die Frage, welcher Tabellenplatz am Ende wofür in Europa reicht, bleibt offen. Ein Dreikampf zwischen Gummersbach, Flensburg und den Füchsen Berlin um die verbleibenden Startplätze zeichnet sich ab. Schindler betont, dass sich der VfL auf die sportlichen Leistungen konzentriere: „Wir beschäftigen uns derzeit mit diesen ganzen Wenn-Dann-Spielchen nicht. Wir wollen die bestmögliche Platzierung für uns rausholen.“
Die Ungewissheit belastet nicht nur den VfL Gummersbach, sondern auch andere ambitionierte Handball-Bundesligisten. Die EHF muss schnellstmöglich Klarheit schaffen, um den Vereinen eine solide Grundlage für ihre zukünftigen Planungen zu bieten. Andernfalls droht ein erneuter Vertrauensverlust in den europäischen Handball.
