Gullit schockiert: fußball wird zur eckball-maschinerie!

Die Fußballwelt spaltet sich: Während Topklubs wie Arsenal ihre Erfolgspartien zunehmend auf gezielte Standardsituationen bauen, schlägt eine Legende Alarm. Ruud Gullit, der Europameister von 1988, äußert seine Besorgnis über die Entwicklung und kritisiert, dass der Fokus zu stark auf Eckbällen liege.

Arsenal perfektioniert die kunst des ruhenden balls

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Arsenal gewann in der Saison 2024/25 beeindruckende 21 von 31 Premier-League-Spielen. Neun dieser Siege wurden durch Eckbälle erzielt – ein Anteil von rund 35 Prozent aller Treffer. Verantwortlich für diese bemerkenswerte Effizienz ist Standard-Coach Nicolas Jover, der die ruhenden Bälle beim Londoner Klub auf ein neues Level gehoben hat. Ex-Profi Shkodran Mustafi schwärmt: „Unter ihm haben Standards eine andere Dimension bekommen.“

Mikel Arteta verteidigt den Ansatz seines Teams: „Für mich ist es wunderschön. Es ist so viel Qualität auf dem Platz, deshalb sind die Unterschiede sehr, sehr klein. Am Ende entscheiden einzelne Duelle diese Spiele.“ Ein Blick auf das Geschehen bei einem typischen Eckball der Gunners offenbart ein chaotisches Bild aus Tumulten und schließlich – einem Tor.

Gullits harsche kritik: „fußball ist furchtbar geworden“

Gullits harsche kritik: „fußball ist furchtbar geworden“

Doch nicht jeder teilt Artetas Begeisterung. Ruud Gullit ist schockiert. Der Niederländer beobachtete ein Spiel und war sichtlich bedient. „Ich genieße es nicht mehr“, gibt er unumwunden zu. „Ich sehe Spieler, die nur Eckbälle herausholen wollen. Fußball ist furchtbar geworden. Ich hoffe, das geht nicht so weiter.“ Seine Worte sind ein deutlicher Appell an die Verantwortlichen, den Fokus wieder stärker auf das eigentliche Spiel zu legen.

Auch Liverpools Trainer Arne Slot äußert seine Bedenken, allerdings aus einem anderen Blickwinkel. Er kritisiert die zunehmend aggressiven Blocks gegen die Torhüter: „Hier kannst du dem Torwart fast ins Gesicht schlagen.“ BVB-Keeper Gregor Kobel teilt diese Ansicht: „Ich finde, die Blocks, die man im Moment stellen kann, sind aus Torwartsicht krass.“

Der dfb unter zugzwang und nottingham forests überraschender erfolg

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Der Trend ist längst auch in Deutschland angekommen. Bundestrainer Julian Nagelsmann warnt: „Die Anzahl an Standardtoren ist eh schon extrem. Und ich befürchte, dass sie auch noch höher wird.“ Die Nationalelf selbst kennt das Problem aus eigener Erfahrung: Bei der Heim-EM 2024 gelang kein einziges Tor nach Eckball oder Freistoß. Die Konsequenz: Nagelsmann holte Mads Buttgereit als eigenen Standard-Coach ins Team. David Raum kommentiert diese Maßnahme mit einem Augenzwinkern: „Er geht uns damit auch auf die Nerven.“

Ein überraschender Fakt im Ganzen: Nottingham Forest erzielte zuletzt die meisten Eckball-Tore der Liga – ganz ohne Spezialtrainer. Die Situation zeigt, dass Standards längst zur Geheimwaffe geworden sind. Doch die zunehmende Bedeutung ruhender Bälle spaltet die Fußballwelt: Während sie Spiele entscheiden, werfen sie auch Fragen nach dem eigentlichen Wesen des Fußballs auf.