Griezmann zelebriert europa-abschied: 1:1 gegen arsenal reicht ihm nicht
Antoine Griezmann trat in die Wembley-Arena seines Wohnzimmers, schloss die Augen – und schlug trotzdem nur die Latte. Das 1:1 im Halbfinale der Champions League war ein Fest, aber kein Finale. Der Franzose verabschiedete sich mit einem MVP-Pokal vom Cívitas Metropolitano, nicht mit einem Sieg.
Simeones kreativster schützling verpasst den geniestreich
Die Zahlen lügen nicht: 64 Ballkontakte, fünf Torschüsse, drei davon aus aussichtsreicher Position. Griezmann war überall, nur nicht im Netz. „Ich hatte drei, aber das Leder wollte nicht rein“, sagte er später mit jenem halben Lächeln, das schon 2018 Weltmeister machte. Dabei hatte alles nach dem großen Drehbuch ausgesehen: 61. Minute, links im Strafraum, Innenrist – doch Gabriel war schneller als der Ball.
Die Kontroverse vor der Pause, ein rigoroser Elfmeter gegen Hancko, schien die Rojiblancos aus dem Konzept zu werfen. „Das tut weh, so in die Kabine zu gehen“, räumte Griezmann ein. Was folgte, war ein Simeone-Taktikswitch: Correa rückte eine Linie höher, Koke presste früher, und plötzlich drehte sich die 55.000-Zuschauer-Welle durch das Stadion. Die zweite Hälfte: 63 Prozent Ballbesitz, zwölf Flanken, ein Gegentreffer verhindert.

London ruft – und griezmann antwortet mit kampfansage
Der Ausgleich durch Morata war nur die halbe Miete. „Unsere zweite Halbzeit war die richtige Antwort. So wollen wir auch ins Emirates gehen“, forderte der Franzoid. Die Botschaft: Das 1:1 ist kein Schicksal, sondern Startnummer. „Wir haben uns vorbereitet wie nie. Das Rückspiel wird unser Tag.“
Die Bilanz bleibt offen. Dreimal traf Atlético in dieser K.-o.-Phase nach einem Unentschieden im Hinspiel weiter – Statistiker lieben solche Fußnoten. Griezmann liebt sie nicht. Er will den Pokal, nicht die Fußnote. Dafür trainierte er in der vergangenen Woche zusätzliche Nachmittagseinheiten, studierte Videoausschnitte von Arsenals Pressing-Varianten und schoss 120 Freistöße nach dem offiziellen Training. „Wenn ich nicht treffe, dann eben im Emirates“, sagte er und klang dabei, als hätte er es geschrieben.
Atlético reist mit einem Auswärtstor, aber ohne Selbstzweifel. Die Mannschaft kennt diese Richtung: 2020 siegten sie in Anfield, 2021 in Old Trafford. Das Momentum spricht für die Spanier. Und Griezmann? Er hat noch einen Vertrag bis 2026, doch sein Körper spricht die Sprache des Abschieds. Jede Berührung wirkt wie ein Fingerabdruck auf dem alten Beton. Noch zwei Spiele, dann könnte das Kapitel enden – oder zu einer Legende werden. „Ich will diesen Abend nicht als letzten großen Tanz bezeichnen. Das Finale wartet“, sagte er und verschwand mit der Ruhe eines Mannes, der weiß, dass seine Geschichte noch eine Fußnote bekommt.
