Grete waitz: eine legende bleibt unvergessen – vor 15 jahren ihr tod
Oslo trauert heute um eine ihrer größten Sportheldinnen: Vor 15 Jahren, am 19. April 2011, verlor die Leichtathletik-Welt eine Legende – Grete Waitz. Ihre Karriere, geprägt von unzähligen Siegen und einem unbändigen Willen, hat das norwegische Sportgeschehen nachhaltig geprägt und eine ganze Generation von Läuferinnen inspiriert.
Die pionierin des frauenzopfes
Schon 1984 wurde Waitz von Svein Arne Hansen, dem damaligen Präsidenten des norwegischen Leichtathletik-Verbandes, als eine der größten norwegischen Athletinnen aller Zeiten gefeiert. Die Statue vor dem Bislett-Stadion in Oslo, ein Denkmal ihrer außergewöhnlichen Karriere, zeugt von ihrer Bedeutung für das Land. Waitz war mehr als nur eine erfolgreiche Läuferin; sie war eine Pionierin, die den Weg für viele Frauen im Sport ebnete. Ihr Engagement für den Frauensport manifestierte sich bereits 1984 mit der Organisation eines Volkslaufs, der von 6.000 Teilnehmerinnen besucht wurde – eine Zahl, die sich zehn Jahre später auf fast 45.000 Läuferinnen erhöhte.
„Ich weiß nicht, ob ich das Laufen wirklich populär gemacht habe, aber ich habe es zumindest akzeptabel gemacht für Leute, die nicht so aussehen“, sagte Waitz einst mit einem Augenzwinkern. Ihre Bescheidenheit stand im Kontrast zu ihren sportlichen Leistungen, die sie mit unerbittlichem Training und einer außergewöhnlichen Ausdauer erarbeitete.

Von handball zur marathon-queen
Der Weg zur Marathon-Queen war für Waitz alles andere als vorgezeichnet. Als Kind betrieb sie verschiedene Sportarten, darunter Handball und Turnen, bevor sie 1972 mit zwölf Jahren einem Osloer Sportverein beitrat. Dort übersprang sie als Hochspringerin bereits 1,61 Meter. Doch erst durch den Mittelstreckenlauf und die Crossläufe fand sie ihre wahre Leidenschaft. Ihre Teilnahme an den Olympischen Sommerspielen 1972 in München über 1500 Meter war der Beginn einer beeindruckenden Karriere.
Ein Zufall führte Waitz schließlich zum Marathon. Im Herbst 1978 nahm sie beim New-York-City-Marathon teil, um ihre Karriere zu beenden – doch stattdessen fand sie eine neue Berufung. Mit einer Zeit von 2:32:30 Stunden unterbot sie die damalige Weltbestzeit und legte den Grundstein für eine beispiellose Erfolgsserie.

Neun siege in new york und mehr
Waitz dominierte den Marathonlauf der 1980er Jahre. Sie gewann neunmal den New-York-Marathon, darunter auch 1979, als sie als erste Frau einen Marathon unter 2:30 Stunden lief (2:27:33). Bei ihrem Sieg beim London-Marathon 1983 unterbot sie den Rekord erneut (2:25:29). Ihre Leistungen wurden 1982 vom US-Präsidenten Ronald Reagan im Weißen Haus gewürdigt. Fünfmal gewann sie die Goldmedaille bei den Crosslauf-Weltmeisterschaften. Obwohl der Olympiaboykott 1980 ihr die Teilnahme an den Spielen in Moskau verwehrte, blieb ihre Wirkung auf den Sport unbestreitbar.

Ein vermächtnis jenseits der ziellinie
Auch nach ihrer aktiven Karriere blieb Waitz ein Vorbild. 2005 machte sie ihre Krebserkrankung öffentlich und engagierte sich für die Belange von Krebspatientinnen. Die Motivation, die sie von Lance Armstrong erhielt, half ihr, 2008 wieder mit dem Laufen zu beginnen. Für ihr Engagement wurde sie 2008 vom norwegischen König Harald V. mit dem St.-Olavs-Orden ausgezeichnet. Lamine Diack, der damalige Präsident der IAAF, würdigte sie als „eine der heißesten Flammen der modernen Leichtathletik“, deren Heldentaten „ewig leben“ würden.
Heute, 15 Jahre nach ihrem Tod, lebt das Vermächtnis von Grete Waitz weiter – in den Herzen ihrer Landsleute und in den Herzen aller, die von ihrer außergewöhnlichen Karriere inspiriert wurden. Ihre Spuren im Sport sind unvergesslich, ihre Geschichte ein Mahnmal für Ausdauer, Entschlossenheit und die Kraft des menschlichen Geistes.
