Greta steinbrenner fliegt nach portugal – mit 16 jahren schon em-gejagte

22 Stunden pro Woche hängt Greta Steinbrenner in der Luft. Drei Meter hoch, Rückenlage, Volte, wieder raus – ein 16-Jähriges Mädchen aus Wiesbaden katapultiert sich gerade in die U21-Elite Europas. Die Trampolin-EM in Portimão beginnt heute, und die Deutsche wirkt längst nicht mehr wie ein Talent, sondern wie eine Gejagte.

Gold ist kein wunsch, sondern routine

Die Trophäensammlung im Elternhaus wächst schneller als ihre Schulnoten. Hessische Meisterin, Deutsche Meisterin, Weltcup-Sieger – die Bronzemedaille von der Jugend-WM 2021 in Baku steht nur deshalb nicht golden in der Vitrine, weil das Synchronspringen eben zwei verlangt. „Einzeln wäre es auch damals schon möglich gewesen“, sagt sie und klingt dabei so selbstverständlich wie ein Tennisprofi, der seinen ersten Aufschlag ansagt.

Was sie antreibt, klingt simpel, ist aber ein Drill, vor dem selbst Leistungszentler kneifen: acht Einheiten, Technik, Sprungfolgen, Regeneration, Schnellkraft. Dazwischen Abiturvorbereung. „Manchmal denke ich, ich geh nur zur Schule, damit mein Kopf mal runterkommt“, lacht sie. Der Trainer nennt das „aktive Pause“, die Mutter nennt es „verrückt“, der Sportpsychologe nennt es „notwendig“, weil ihr Körper schon jetzt 1,4 Sekunden Flugphase pro Sprung erreicht – ein Wert, den viele Damen erst mit 20 knacken.

Die em ist eine durchgangsstation – olympia der kompass

Die em ist eine durchgangsstation – olympia der kompass

Das Finale in Portugal ist Pflicht, sagt sie, nicht Ziel. Das klingt nach Großmaul, ist aber Fakt: Ihre Schwierigkeitswertung liegt bei 14,8, aktuell Platz drei der ewigen U21-Bestenliste. Sollte sie in Portimão diese Zahl halten, fliegt sie nicht nur aufs Treppchen, sondern direkt in den erweiterten Kader des DOSB. „Tokio habe ich vor dem Fernseher verpasst, Paris will ich bestimmen“, sagt sie. Und meint nicht als Zuschauerin.

Ab morgen um 14:30 Uhr deutscher Zeit tritt sie in der Qualifikation an. Die Konkurrenz kommt aus Großbritanninen, Russland und Portugal – alles Länder, die ihre Nachwuchsathletinnen schon mit zwölf ins Leistungszentrum stecken. Greta Steinbrenner trainiert dagegen noch im TSV Wiesbaden-Biebrich, einer kleinen Halle neben dem Tennis-Club. Kein Carbon-Boden, keine Kameraanalyse, dafür eine alte Schaumgrube und ein Coach, der seit 30 Jahren dieselben fünf Warms-up-Kreise aufmalft. „Ich brauche kein High-Tech, ich brauche Höhe“, sagt sie. Die bekommt sie, indem sie sich selbst in die Luft schießt – 22 Stunden die Woche, bis die Oberschenkel brennen und die Bänder ziehen.

Um 16 Uhr steht das Finale an. Dann wird klar, ob ihre Flugphase reicht, um die Konkurrenz aus den großen Zentren zu schlagen. Sollte sie gewinnen, ist es ihr fünfter Titel in zwölf Monaten. Sollte sie verlieren, bleibt ein Fakt: Die 16-Jährige hat bereits jetzt mehr Luft unter den Füßen als ihre gesamte Konkurrenz – und nur noch 850 Tage bis Los Angeles 2028.