Gravina verteidigt fabregas: „er polarisiert, aber er hat mut zu seinen ideen“
Gabriele Gravina stellt sich hinter Cesc Fabregas. Bei der Verleihung des Premio Bearzot in Rom lobte der Präsident des Italienischen Fußball-Verbandes (FIGC) den jungen Como-Trainer als „modernes Symbol“ eines mutigen Fußballs – und schickte dabei eine klare Botschaft an die Traditionalisten.
Gravina attackiert schiedsrichter-hysterie
„Um die Schiedsrichter herrscht ein unerträgliches Klima“, polterte Gravina vor Journalisten in der Via Allegri. „Wir befinden uns in einer entscheidenden Phase der Saison, doch statt über Taktik und Tore redet jeder über vermeintliche Fehler.“ Die Zahlen sprechen für ihn: Während vor Jahren pro Spieltag zehn umstrittene Szenen diskutiert wurden, seien es heute noch zwei aus zwanzig Partien – „ein physiologischer Wert“, so Gravina. Dennoch fordert er: „Jeder muss seinen Beitrag leisten, damit Ruhe einkehrt.“
Die Debatte um Open Var sieht der Verbandsboss ebenfalls kritisch. Die Transparenzinitiative sei „offensichtlich instrumentalisiert“ worden, um neue Skandale zu kreieren. „Wir werden mit der Schiedsrichtervereinigung AIA vor der neuen Saison eine Bilanz ziehen – pro und contra“, kündigte er an. Ziel bleibe, „jede Form negativer Instrumentalisierung zu verhindern“.

Fremdenlegionär mit italischem herzen
Mit leuchtenden Augen wendete sich Gravia dann Fabregas zu. Der Spanier ist der erste Nicht-Italiener, der den mit Spannung erwarteten Bearzot-Preis erhält – eine Entscheidung, die in sozialen Medien für Diskussionen sorgte. „Er wirkt auf den ersten Blick polarisierend, doch genau das ist sein Kapital“, erklärte Gravina. „In einer Zeit, in der viele lieber duckmäuserisch den Kopf einziehen, tritt er nach vorn und vertritt seine Spielphilosophie.“
Fabregas habe den UEFA-Pro-Kurs in Coverciano absolviert, sich „keine Abkürzergelungen“ gegönnt und seine Como-Spieler zu einer der spektakulärsten Aufsteigsgeschichten der Saison geführt. „Das verbindet ihn mit Enzo Bearzot, der ebenfalls gegen den Strom schwamm“, betonte der FIGC-Chef. „Die Serie A kann stolz sein, dass sie ihn angezogen hat wie ein Magnet.“

Capello wird 80 – und bleibt schrecken der trainer
Neben Fabregas erhält auch Fabio Capello eine Trophäe – und das kurz vor seinem 80. Geburtstag. Gravina schmunzelte: „Selbst als TV-Experte treibt er die Coaches vor sich her. Das ist sein Naturell: Er zwingt uns zur Reflexion.“
Doch der Präsident ließ nicht nur Lorbeeren regnen. Er sprach auch Marco Guida als „Referenzfigur der Schiedsrichter“ aus und ehrte die 17-jährige Unparteiische Valentina Zamburru, die in Sardinien von Spielern angegriffen und schwer verletzt wurde. „Wir haben die Höchststrafe verhängt – eine Art lebenslängliche Sperre“, sagte Gravina mit düsterer Stimme. „Gewalt gegen Jugendliche ist ein kulturelles Problem, nicht nur ein Fußballproblem. Wer einer 17-Jährigem den Kiefer bricht, hat im Sport nichts verloren.“
Die Botschaft ist klar: Der Präsident will Italien nicht nur auf dem Rasen modernisieren, sondern auch die Seelen der Fans. Ob Fabregas’ Offensivfußball oder der harte Kurs gegen Gewalt – Gravina setzt auf Mut statt Mittelmaß. Die Serie A ist gewarnt: Schweigen ist keine Option mehr.
