Gosens fliegt mit florenz ins viertelfinale – drama in czestochau
Rakow hatte die Temperatur bis zum Kochen hochgedreht, die Kurve bebte, der Schiri stockte – und trotzdem schaffte Robin Gosens mit AC Florenz den Sprung ins Viertelfinale der Conference League. Der deutsche Außenverteidiger kam in der 61. Minute, sieben Minuten später glich Roberto Piccoli aus, und in der siebenten Minute der Nachspielzeit schlug Marin Pongracic die Entscheidung: 2:1 im Rückspiel, 4:2 Gesamt, Tschüss Polen.
Vanolis notfallplan funktioniert – kurz vor dem absturz
Trainer Paolo Vanoli hatte vor der Partie betont, dass sein Team „nur noch Luft nach oben“ hat. In der Serie A liegt Florenz zwei Punkte über dem Strich, die Fans pfeifen sich gegenseitig an. Doch in Krakauen zeigte die Fiorentina eine Reaktion, die derzeit selten ist: Sie schlug zurück, statt zu fluchen. Gosens‘ Hereingabe auf Piccoli war dabei keine Glanznummer, aber die Art von Ball, die in Krisenzeiten zählt. Kurz darauf jagte Pongracic den Abpraller unter die Latte – die Bank explodierte, Gosens klatschte mit jedem Ersatzspieler ab.
Die Szene kurz zuvor war typisch für die Saison: Karol Struski nutzte eine Ballstafette von Fran Tudor, um Keeper Pietro Terracciano zu überwinden. Rakow glich damit das Hinspiel-Ergebnis aus und schien auf dem Weg zur Verlängerung. Doch Florenz schläft in Europa selten zweimal ein – siehe die Finalteilnahmen 2023 und 2024.

Leipzig rückt in sichtweite – und gosens wieder in die deutsche debate
Mit dem Finale am 27. Mai im eigenen Land bekommt Gosens eine Bühne, die er dringend braucht. Sein Wechsel von Inter nach Florenz war ein Krisengeschäft, die Minuten in Serie A rar. In der Conference League spielte er jetzt 210 von 270 möglichen Minuten – Statistiken, die Julian Nagelsmann nicht entgehen. Denn rechts wie links fehlt der DFB-Elf Tempo, Gosens lieferte gegen Rakow zwei Sprintduelle gegen Vladislavs Gutkovskis und gewann beide.
Die nächste Runde bringt womöglich 1. FSV Mainz 05 oder SC Freiburg – deutsche Clubs, die er einst in der Bundesliga dominierte. Für Florenz winken damit nicht nur Punkte, sondern auch Prämien von rund 3,5 Millionen Euro – Geld, das der Klub braucht, um im Sommer nicht den Feuerwehr-Modus zu starten.
Die Fans auf der Curva Fiesole scharten sich schon vor dem Stadion, als die Mannschaft den Bus verließ. Ihr Banner: „Non mollare mai“ – niemals aufgeben. Gosens grinste, hob die Faust. Es war kein Sieg für die Geschichtsbücher, aber einer, der Florenz eine weitere Woche Atem verschafft – und Gosens die Chance, in Leipzig nicht nur dabei zu sein, sondern zu bestimmen.
