Görner zieht sich zurück: fsv frankfurt verliert seinen meister der regionalliga

Tim Görner geht. Nach 130 Spielen, drei Regionalliga-Saisons und einem Alter, in dem andere erst anfangen, legt der 30-jährige Coach beim FSV Frankfurt den Kopfhörer auf die Bank. „Ich spüre, dass der Zeitpunkt reif ist“, sagt er knapp – und meint damit nicht nur die Sommerpause, sondern ein ganzes Kapitel.

Ein abschied, der keinen sieger kennt

Ein abschied, der keinen sieger kennt

Die Meldung kam am Mittwoch kurz nach dem Mittagessen, knapp, fast lautlos. Kein Tränen-Video, kein gebrochenes Herz auf Instagram. Stattdessen ein paar Zeilen auf der Vereinshomepage, die wie ein Abschiedsbrief klingen: „Der FSV ist mehr als eine Station, er ist meine Fußballfamilie“, schreibt Görner. Und weiter hinten im Text die eigentliche Bombe: Nach der Saison 2025/26 ist Schluss. Fertig. Aus.

Robert Lempka, Geschäftsführer und sonst eher ein Mann für harte Zahlen, klingt auf einmal wie ein Philosoph: „Er hat uns eine Identität gegeben.“ Gemeint ist die Art Fußball, die in Frankfurt plötzlich wieder Erwähnung fand: mutig, ballbesitzorientiert, mit gestrickten Doppelpass-Kombinationen statt mit langem Schlag. Drei Jahre lang war Görner der Architekt dieses Stils – und jetzt der Abrissbagger seiner eigenen Baustelle.

Die Tabelle? Ach, die. Platz 3, elf Punkte Rückstand auf Freiberg. Keine Meisterfeier, keine Aufstiegsshow, nur ein Saisonende, das wie ein offenes Ende klingt. Denn was kommt danach? Görner schweigt. Kein neuer Klub, kein neues Projekt, nur das Versprechen, „neue Herausforderungen“ zu suchen. Klingt nach Bundesliga, klingt nach Zweite Liga, klingt nach allem – nur nicht nach Frankfurt.

Die Spieler erfuhren es im Mannschaftsbus, kurz nach dem Training. Stille. Keiner schmiss mit Flaschen, keiner fluchte. Sie wussten es längst. Görner hatte ihnen in den letzten Wochen öfter zugehört, weniger kommandiert. Ein Coach, der sich bereits verabschiedet, bevor er den Abschied erklärt.

Für den FSV beginnt jetzt die heimliche Suche. Kein großes Schlaglicht, keine Casting-Show. Intern kursiert ein Kandidat: ein ehemaliger U-19-Trainer, noch ohne Profi-Erfahrung, dafür mit Pelkum-Impfung und Bindeglied zur Jugend. Extern? Keine Spur. Die Regionalliga Südwest ist ein Markt der kleinen Preise – und großen Fragen.

Görner selbst wird am letzten Spieltag winken, wie es sich gehört. Dann verschwindet er durch den Tunnel, der für ihn nie ein Aufstiegstor war, sondern immer nur eine Durchgangspforte. 30 Jahre alt, 130 Spiele, einmal Dritter. Eine Bilanz, die klingt wie Anfang – und trotzdem ein Ende ist.

Frankfurt wird ihn vermissen. Nicht weil er Titel holte, sondern weil er Hoffnung schenkte. Die Art von Hoffnung, die in der Regionalliga selten ist: dass aus Ballbesitz wieder Identität wird. Und dass ein Trainer gehen kann, ohne zu flüchten. Ein letztes Mal wird die Kurve „Görner“ rufen – dann wird sie schlucken und weitersingen. Denn in Frankfurt weiß man: Manchmal ist der beste Zeitpunkt der, an dem man geht, bevor man gehen muss.