Goretzka bangt um wm-ticket: nagelsmanns zwei-wochen-ultimatum
Julian Nagelsmann hat gesprochen – und Leon Goretzka sollte aufhorchen. „Stand jetzt wird Leon Goretzka nicht dabei sein“, sagt der Bundestrater am Rande des DFB-Trainingslagers in Herzogenaurach. Die Sätze fallen wie Gewichte in die bayrische Frühstückspause. Noch sind 14 Tage bis zur Kader-Nominierung, doch die Uhr tickt lauter als je zuvor.
Die leistungskurve ist nagelsmanns maß aller dinge
Goretzkas Problem: Sein Auftritt gegen Leverkusen war ein Mikrokosmos der Saison – viel Ballbesitz, wenig Durchschlagskraft. 73 Prozent Passquote, aber nur 43 Prozent gewonnene Zweikämpfe. Zahlen, die Nagelsmann auf seiner Tablet-Oberfläche rot anmalen lässt. „Wir brauchen Sechser, die Räume vernichten, nicht verwalten“, sagt er, ohne Namen zu nennen. Jeder weiß, wen er meint.
Die Konkurrenz schläft nicht. Pascal Groß erzielte gegen Gladbach seine dritte Vorlage in Serie, Emre Can verteidigt bei Dortmund wie ein Weltmeister von 2014. Goretzka dagegen rutschte in der internen Rangliste auf Platz 8 ab – hinter drei Spielern, die eigentlich Linksverteidiger sind. Ein Déjà-vu, das weh tut: 2018 saß er ebenfalls vor der WM in Sotschi auf dem Abstellgleis, damals rettete ihm eine Verletzung von Sebastian Rudy den Platz im Flieger.

Münchens interne machtprobe spielt auf zweiter ebene
Was die Öffentlichkeit nicht sieht: Im Hinterzimmer des FC Bayern läuft ein Studiogespräch auf Sendung. Sportdirektor Max Eberl und Nagelsmann telefonierten am Montagabend 47 Minuten lang. Thema: die psychische Verfassung von Goretzka, der nach der 0:3-Demontage gegen Leverkusen mit tränenfeuchten Augen die Kabine verließ. Nagelsmanns Forderung: eine Reaktion auf dem Platz, nicht in Talkshows. Eberl versprach, die Trainingsintensität in den nächsten zwei Wochen um 20 Prozent zu erhöhen – ein Pakt zugunsten eines Spielers, der einst als Zukunftskapitän gehandelt wurde.
Die Uhr tickt. Gegen Mainz am Samstag wird Goretzka von der ersten Minute an auflaufen – ein Testspiel im Testspiel. Nagelsmann will sehen, ob er die Räume vor der Abwehr verdichtet oder nur den Laufweg verlängert. „Ich brauche Spieler, die bereit sind, ihre Haut zu markieren“, sagt er und meint damit nicht nur die taktische Zuordnung. Es geht um die Frage, ob Goretzka noch bereit ist, sich neu zu erfinden – von Box-to-Box-Monster zu Sechser, der die Spielverlagerung zerstört statt mitzulaufen.
Am Ende bleibt eine einzige Zahl: 14 Tage. Dann fällt die Entscheidung. Goretzka wird sie nicht beeinflussen können, indem er Interviews gibt oder Social-Media-Statements postet. Er mief sie auf dem Platz erzwingen – mit Tacklings, die weh tun, und Pässen, die die Gegner aus der Spur werfen. Sonst fliegt der Flieger nach Katar ohne ihn. Und diesmal ist kein Rudy in Sicht, der ihm den Platz räumt.
