Golden bubbles fliegen ins finale: spaniens 4×400-frauen sparen ihre stars für den knall
Die Uhr tickt. 20.47 Uhr, Toruń. Da geht die Halle hoch. Spaniens 4×400-Frauen haben sich gerade ohne ihre beiden Sprintmaschinen Paula Sevilla und Blanca Hervás mit 3:29,98 Minuten ins Finale geschmuggelt – und den Rest des Feldes eine Warnung geschickt: Die „Golden Bubbles“ haben noch Dampf in der Kessel.
Reserve mit system: anstatt zu quälen, wurde geschont
Ana Prieto, Carmen Avilés, Rocío Arroyo und Daniela Fra liefen im Vorlauf nur so viel, wie nötig war. Prieto eröffnete in 52,43 s, Avilés hielt die britische Jägerin in Schach (52,37 s), Arroyo – normalerweise 800-m-Spezialistin – zog in 52,12 s sogar an den USA vorbei. Fra verlor auf der letzten Bahn etwas Schwung (53,06 s), doch Platz drei reichte, weil Tschechien wegen eines Laufsteg-Fehlers hinterher disqualifiziert wurde. Die Slowakinnen hatten mit 3:29,87 min neuen Landesrekord gelocht – Spanien blieb nur neun Hundertstel dahinter, obwohl zwei Leistungsträgerinnen fehlten.
Die Rechnung geht auf: Sevilla trug das Wochenende schon drei 400-m-Rennen in den Beinen, Hervás sogar vier. Statt sie zu schinden, ließ Chefcoach José Peiró sie Radau im Finale machen. Die Frischereserve dürfte mindestens zwei Sekunden aus dem Zeitfahren nehmen – genug, um Polen (3:27,88 min) und die Niederlande (3:28,23 min) ins Visier zu nehmen.

Gold-duell im weitsprung: sousa wehrt deutsche attacke ab
Während die Läuferinnen jubelten, blieb Spaniens einzige Weitsprung-Hoffnung Irati Mitxelena auf der Strecke. Die 29-jährige ALS-Forscherin aus San Sebastián kam auf 6,43 m und landete auf Rang zwölf. Gold sicherte sich Agate de Sousa mit 6,92 m – nur fünf Zentimeter schlechter als ihre eigene Jahresweltbeste. Hinter ihr Larissa Iapichino (6,87 m) und die Kolumbianerin Natalia Linares (6,80 m). Die große Überraschung: Olympiadoppelbronze-Jasmine Moore schaffte nur 6,70 m und wurde Siebte.
Mitxelena selbst nahm’s mit Forscher-Sachlichkeit: „Im Labor wie auf der Matte geht es um Millimeter. Heute fehlten mir vier.“ Sie wird jetzt nach Toruń zurückkehren – nicht als Athletin, sondern um Daten für ihr ELA-Projekt zu sammeln. Die Wissenschaft hat ihre Finalisten, der Sport auch.
20.47 Uhr ist der Countdown. Dann tritt Spaniens 4×400-Armada in voller Besetzung an. Wer die Halle verlässt, wird wissen, dass Gold möglich ist – und dass die „Golden Bubbles“ diesmal nicht nur für Glanz, sondern für Knall sorgen wollen.
