Gold im foto-finish: forster schockt spanien und holt deutsches premiere-erlebnis
Anna-Lena Forster hat Cortina zum Toben gebracht. Die 30-Jährige jagte ihre Mono-Ski-Kufe mit 87 km/h über die Canalone Miramonte, stach die Spanierin Audrey Pascual Seco um fünf Hundertstel aus und sicherte Deutschland schon am ersten Wettkampftag die erste Goldmedaille der Paralympics 2026.
0,05 Sekunden lautete der Befreiungsschlag, den die Radolfzellerin nach 1:31,92 Minuten auf der Uhr hinterließ. Im Zielraum sackte sie gegen den Lattenzaun, schrie „Krass!“ ins Mikrofon und riss die Schwarz-Rot-Gold-Fahne über die Schultern. „Ich hatte Gold bereits abgehakt, als ich Pascual Secos Zwischenzeit sah“, gestand sie mit zitternder Stimme. „Dann flattert die Fahne im Wind und du bist vorne – das ist ein Krimi, nichts anderes.“
Unruhe vor dem start: warum forster kaum schlafen konnte
Die Nacht zuvor war kurz. Forster schaute Serien, kochte sich um 3:00 Uhr noch einmal Haferbrei und verließ das Athletendorf mit zwei Stunden Schlaf. „Ich war super nervös, meine Beine fühlten sich wie Gummi an“, sagte sie. Statt der üblichen Meditationsmusik lief „Linkin Park“ durch die Kopfhörer – ein Trick, um Adrenalin statt Angst zu erzeugen. Das Risiko ging auf: Sie fuhr aggressiver als je zuvor, nahm die Traverse vor der „Schuss-Falle“ ohne Bremsmodulation und riskierte früher als ihre Konkurrentinnen den Druck auf die Kanten.
Der Sturz der Niederländerin Barbara van Bergen zwei Starterinnen vor ihr hatte keinen Einfluss, wie Forster betonte: „Ich weiß aus Erfahrung, dass Barbara eine Sturzpilotin ist. Mein Plan war trotzdem, Vollgas zu geben.“ Die Taktik zahlte sich aus, auch wenn sie sich selbst „ein paar Ausritten“ vorwarf, die sie im Slalom korrigieren will.

Damit rückt rekordkür in reichweite
Mit Gold Nummer fünf bei Winterspielen nähert sich Forster der Bestmarke von Anna Schaffelhuber an, die bei sieben Para-Titeln liegt. Die 30-Jährige selbst scherzt das weg: „Ich zähle nicht, ich fahre.“ Tatsächlich stehen noch vier Rennen in Cortina an – Super-G, Super-Kombi, Riesenslalom und Slalom. Sollte sie in ihrer Paradedisziplin Slalom erneut gewinnen, wäre der Gesamtsieg im Klassement kaum noch zu nehmen. DBS-Sportdirektor Michael Schulze zeigte sich beeindruckt: „Anna-Lena hat uns heute gelehrt, dass Selbstzweifel nur Treibstoff sein können.“
Die deutsche Delegation feierte bei Minus sieben Grad bis in die Nacht, während Forster im Mixed-Zone-Marathon Interviews gab. Um 23:45 Uhr verschwand sie schließlich im Bus, die Goldmedaille fest umklammernd. „Jetzt erst mal Pizza“, sagte sie lachend. „Und morgen wieder Vollgas.“
