Gold für russland, shitstorm für die paralympics: worontschichinas sieg spaltet cortina

Die rote Trikolore weht wieder über einem Podest – und das, wo doch gerade alle reden, dass man den Aggressor isolieren will. Warwara Worontschichinas Gold im Super-G der stehenden Klasse ist sportlich makellos, politisch eine Bombe.

Erst der dritte platz, dann der erste – und plötzlich ist die hymne wieder da

Zwei Tage nach Bronze in der Abfahrt schraubt die 23-Jährige aus Jekaterinburg auf. Was folgt, ist keine 30 Sekunden Hymne, sondern ein Signal: Seit Sotschi 2014 haben wir Russlands Nationalhymne bei einem internationalen Großevent nicht mehr gehört. Jetzt erklingt sie in Cortina – und löst sofort Empörung aus. Denn die Paralympics gelten laut Beschluss des Internationalen Paralympischen Komitees (IPC) als eigenständige Veranstaltung, nicht als Weltcup. Deshalb greift hier nicht die neutrale Regel, die Olympia und Co. auferlegt haben.

Der CAS-Spruch vom vergangenen Herbst steht Pate: Pauschalverbot gegen russische und belarussische Athleten? Rechtswidrig. Also dürfen Verbände, die ihre WM innerhalb der Paralympics veranstalten, Flagge und Hymne wieder zulassen. Ski, Snowboard, Biathlon, Para-Eishockey und Curling haben genau das getan. Der Rest Europas schaut fassungslos.

Deutsche top-athletin zwischen fairplay und frust

Deutsche top-athletin zwischen fairplay und frust

Andrea Rothfuss liefert sich nach ihrer zweijährigen Auszeit wegen psychischer Probleme ein hervorragendes Rennen und wird Vierte. Im Zielmix sagt sie: „Das ist jetzt vielleicht ein Ergebnis, was wir uns alle so nicht gewünscht haben mit der Situation momentan.“ Doch sie fügt hinzu, was viele denken: Wer heute die schnellste Linie findet, darf auch gewinnen. Sportlich ist die Diskussion beendet – moralisch beginnt sie gerade.

Die ARD und ZDF boykottieren die Eröffnungsfeier in Verona. Der Deutsche Behindertensportverband (DBS) bleibt weg. Sponsoren schauen verlegen weg. Und in den sozialen Kanälen kocht die Empörungslava gegen IPC-Präsident Andrew Parsons, der die Sperre aufhob. Seine Erklärung: „Wir schützen die Rechte aller Athleten.“ Kritiker kontern: „Wir schützen die Rechte der Ukraine nicht.“

Die zahl, die bleibt: 1.103 tage krieg, ein einziger sieg auf der piste

1.103 Tage ist Russland nun in der Ukraine im Krieg. Die Sanktionen im Sport waren Teil des Drucks. Mit jedem Start unter Flagge bröckelt dieser Druck ein Stück weiter. Worontschichina selbst schweigt zu Politik, lächelt nur, hält die Goldmedaille in die Kameras. Für sie ist das Bild ein persönlicher Traum. Für die Sportwelt ist es ein PR-Debakel – und ein Vorgeschmack auf die kommenden Monate, wenn Olympia 2026 vor der Tür steht.

Cortina wird die Debatte nicht beenden. Sie hat sie nur auf die Bühne gebracht, wo sie am lautesten ist: auf dem Podest, zwischen den Nationalhymnen, mitten ins Herz des Sports.