Goggia jagt super-g-kristall mit 63-punkte-polster – finale in kvitfjell live
Sofia Goggia spurt mit einem Riesenvorsprung in den letzten Speed-Kracher der Saison. 63 Punkte liegen zwischen der Italienerin und Verfolgerin Alice Robinson – ein Polster, das selbst ein Sturz nicht automatisch zerreißt. Doch die 31-Jährige will nicht rechnen, sie will angreifen. „Ich fahre zum Sieg, nicht zur Verwaltung“, sagte sie gestern nach dem Training – und schwor sich auf den Super-G von Kvitfjell ein, der heute um 10:36 Uhr live auf Rai 2 und Eurosport startet.
Pirovanos kantersieg wirft fragen auf
Die Vorzeichen sind verrückt. Erst feierte Laura Pirovano am Freitag einen fulminanten Abfahrts-Sieg, ihre erste Weltcup-Daumenregel. Die 27-Jährige raste aus dem Stand aufs Podest – und schob sich mit einem Schlag von Außenseiterin zu Kristall-Kandidatin. Ihre Devise: „Volle Pulle statt Punkterecherei.“ Das gilt auch für Goggia, die den Super-G-Titel seit Lake Louise in ihrer Hand hält, aber nie zuvor mit solchem Druck startete.
Die Strecke in Kvitfjell ist ein Biest: 1,6 Kilometer, 62 Prozent Gefälle im obersten Abschnitt, gefolgt von einem flachen Zielsprint, der falsche Hoffnungen macht. Wer zu spät auf die Kanten geht, verliert hier Zehntel im Sekundentakt. Gestern testeten nur acht Fahrerinnen die Route – Goggia war unter ihnen und legte die schnellste Zwischenzeit hin. Robinson blieb eine Sekunde hinter dem Soll, ein Riesenloch, das sie heute stopfen muss.

Die rechnung ist einfach, die nervosität groß
Mathematik allein reicht nicht. Goggia braucht nur die Hälfte der maximal möglichen 100 Punkte, um den Kristall sicher zu stellen. Doch der Super-G ist die Disziplin der Überraschungen. Vor zwei Jahren rutschte Stephanie Venier in der letzten Kurve weg und schmiss eine komplette Saison in den Schnee. „Ein einziger Fehler reicht“, sagte Goggias Servicemann lachend, „aber Sofia macht keine.“
Die Italienerin selbst schaltet den Komfort-Modus aus. Sie will den Saison-Coup perfekt machen, nachdem sie bereits die Abfahrts-Wertung dominiert hat. Ein Doppel wäre historisch: Zuletzt gelang das Lindsey Vonn 2016. Goggia weiß um die Symbolik, doch sie hasst Vergleiche. „Ich bin nicht Lindsey, ich bin Sofia“, sagte sie und schnallte den Helm fester. Dann spurtete sie zum Starthäuschen – 63 Punkte Vorsprung im Gepäck, aber kein Gramm Sicherheit.
Um 10:36 Uhr fällt der Startschuss. Wer zittert, verliert. Wer träumt, gewinnt. Und Sofia Goggia träumt laut – vom dritten Kristall ihrer Karriere und von einem Winter, der endgültig ihren Namen in die Ski-Geschichte einbrennt.
