Gnabrys unglaubliche wende: vom dfb-aus zur fixgröße

Serge Gnabry sitzt. Nicht auf der Bank, sondern direkt neben Julian Nagelsmann. Das Bild wirkt banal – ist es nicht. Denn vor neun Monaten galt der 30-Jährige als erledigt im DFB-Trikot. Jetzt definiert ihn der Bundestrainer als „zentrale Figur“.

Die zahlen, die nagelsmann überzeugen

8 Tore, 7 Vorlagen – nur in der Bundesliga. Doppelt getroffen in der ChampionsLeague, dreimal aufgelegt. Addiert man die WM-Quali dazu, kommt Gnabry auf 3+1 in 5 Länderspielen. Kein deutscher Offensivspieler liefert ähnlich konstante Scorerwerte. „Er muss sich nicht nur über Tore definieren“, sagt Nagelsmann, „aber sie helfen, Aufmerksamkeit zu rechter Zeit zu erzeugen.“ Die Rechnung: Wer liefert, spielt. Wer spielt, führt.

Der Kern der Geschichte steckt in einem Satz, den Gnabry selbst murmelt: „Verletzungsbedingte Unterbrechungen haben mich früher immer aus dem Rhythmus geworfen.“ Diesmal hält er sich seit Juli trainingsfähig. Keine Adduktorenzwickung, keine Syndesmose, kein Muskelbündelriss. Ein kleines Fitnesswunder, das er mit Mikro-Zyklen und Reduktion von Spielminuten im Oktober befeuert hat. Hansi Flick ließ ihn damals ruhen – und rettete ihm damit indirekt die Nationalmannschaftskarriere.

„Älterer spieler“ mit jungen aufgaben

„Älterer spieler“ mit jungen aufgaben

In Herzogenaurach sprach Nagelsmann mit jedem Akteur über dessen Rolle. Gnabry bekam keine Position zugewiesen, sondern ein Baukasten-Prinzip: Rechts, links, Zehner, falsche Neun. Der Bundestrainer nennt es „variable Spitze“. Der Spieler nennt es „All-inclusive-Vertrag“. Die innere Haltung dahinter: Wer überall einsetzbar ist, wird nirgendwo ausgetauscht.

Am Freitag gegen die Schweiz erwartet Gnabry seine 43. Länderspiel-Minute in Folge ohne Auswechslung. Das ist keine Statistik für Wikipedia, sondern ein Indikator für Vertrauen. Zuletzt musste er 2022 zusehen, wie seine Karriere bei Turnieren durchriss. Die Erinnerung daran treibt ihn. „Ich will kein Mitläufer sein, sondern Impulsgeber“, sagt er und klingt dabei so entschlossen, als hätte er die letzten Monate nur dafür trainiert.

Gegen die Schweiz wird er starten. Danach folgen Amerika-Reisen, Nations-League-Finale, vielleicht ein Sommermärchen. Die Karriere des einstigen Wunderknaben ist längst keine Achterbahn mehr – sie gleicht eher einer ICE-Strecke: Tempo 300, kaum Kurven, kein Halt in Sicht. Wer jetzt einsteigt, kann sicher sein, mit Gnabry eine Fahrkarte Richtung Weltmeisterschaft zu lösen. Denn der Mann, der einst für seine Unbeständigkeit berüchtigt war, liefert nun Monat für Monat die beste Antwort: Konstanz.