Gíslason zündet den wm-countdown: „diese truppe kann serien-sieger dänemark ärgern“
Alfred Gíslason lächelt nicht, wenn er an Kopenhagen denkt. Er schmunzelt. „Wir waren fünf Prozent entfernt“, sagt der Bundestrainer und schlägt mit der flachen Hand auf den Tisch im Büro des Deutschen Handball Bundes. Fünf Prozent – das ist in seinem Sport die Differenz zwischen Silber und Gold, zwischen Ruhm und Retro-Gejammer. Nach dem EM-Triumph von Januar meldet sich die Nationalmannschaft am Mittwoch erstmals wieder zusammen – und der 66-Jährige liefert direkt die Kampfansage für die Heim-WM 2027.
Warum der serbien-crash die bessere sieg-formel war
Gíslason erzählt von dem Tag, an dem seine Mannschaft gegen Serbien in die Knie ging. „Das war kein Rückschlag, das war ein Geschenk“, sagt er. Die Niederlage habe die Jungs „reif und wütend“ gemacht. Danach rissen sie Spanien, Portugal, Norwegen, Kroatien und Frankreich nacheinander nieder. „Plötzlich wussten sie, dass sie sich jeden Sieg erarbeiten müssen. Das ist der Geist, den wir jetzt wieder entfachen.“
Den Beweis will er gegen Ägypten liefern – am 19. März in Dortmund und drei Tage später in Bremen. Testspiele? „Für mich sind das Rohdiamanten-Spiele“, sagt Gíslason. Ohne Super-Goalie Andreas Wolff, dafür mit 19-jährigem Rasmus Ankermann als Trainingsgast. „Der Junge kann auf der Mitte spielen und links Druck machen – genau die Flexibilität, die Dänemark zur Langzeit-Waffe macht.“

Der „goldene buzzer“ und die wut, die ihn am leben hält
Auf seiner Schreibtischablage steht ein goldener Buzzer – Gag-Geschenk der TV-Experten nach der legendären Timeout-Panne gegen Serbien. „Ich habe ihn nie benutzt, aber er erinnert mich daran, dass Fehler menschlich sind“, sagt Gíslason. Menschlich ist auch seine Antwort auf Kritik. Juri Knorr hatte ihn öffentlich attackiert, Stefan Kretzschmar im TV zerlegt. „Wer austeilt, muss auch einstecken können“, sagt er und zuckt mit den Schultern. „Ich lese nicht mit, aber ich höre. Und manchmal haben die Kritiker recht.“
Doch der Isländer bleibt. Vertragsverlängerung? „Noch kein Wort“, sagt er und grinst. „Aber ich bin eine Maschine. Die läuft weiter – im Moment auf drei Zylindern, fünf haben seit Januar Pause.“

Das letzte rätsel: wie stoppt man gidsel?
Mathias Gidsel ist für Gíslason der Maßstab. „Acht Stunden Turnier, im Finale noch Kraft. So etwas habe ich selten gesehen.“ Um den Weltspieler auszuschalten, braucht es laut Bundestrainer „Klarheit in den entscheidenden fünf Minuten“. Er zeigt auf sein Notizbuch: Dort hat er vier Angriffsvarianten markiert, die gegen Dänemark funktioniert haben – und drei, die scheiterten. „Wir arbeiten an der vierten.“
2027 wird Deutschland erstmals seit 2007 wieder eine WM ausrichten. Gíslason will nicht nur Gastgeber sein, sondern den Titel. „Die Basis steht, jetzt kommt die Schleifphase.“ Und wenn es klappt? Dann wird der goldene Buzzer wohl ins Museum wandern – als Relikt einer Zeit, in der Silber noch als Niederlage galt.
