Giacomels herz-comeback: nach ablatio wieder auf der loipe
Tommaso Giacomel atmet. Richtig. Tief. Erstmal nur Frischluft, noch kein Wettkampfgeruch. Drei Tage bewegt sich der Biathlon-Weltcup-Leader wieder, nachdem ein Elektro-Störfeuer sein Herz kurz vor Cortina-Größe stoppte.
Die diagnose kam per video-call
Am 24. Februar legten ihn Katheter still, vier Tage nach dem Kollaps in der Mass-Start von Milan-Cortina, wo er nach dem ersten Schießen vorn lag und plötzlich die Uhr im Leib stehen ließ. „Supraventrikuläre Tachykardie“, sagten die Kardiologen in Padua, „ein Kurzschluss zwischen Vorhof und Kammer.“ Lösung: Ablatio, verbrenne die fehlgeleitete Schiene. Seitdem fühlt sich jeder Schritt wie ein Neustart an.
Die Italiener verloren ihren Hoffnungsträger für die letzten World-Cup-Rennen, verpassten die mögliche Krönung in der Gesamtwertung. Giacomel verlor 14 Tage, gewann aber eine Gewissheit: „Ich darf wieder starten. Das ist die einzige Zieldurchfahrt, die zählt.“

Die couch ist kein kreisverkehr
Er sitzt nicht gern. Konthiolahti läuft ohne ihn, Otepää auch. Doch ab Oslo-Holmenkollen vom 19. bis 22. März könnte das Azzurri-Trikot wieder seine Schultern bedecken. Die Norweger wissen: Wer dort gewinnt, schreibt sich in die Ewigkeit. Giacomel träumt laut davon, seit er das Krankenhaus verließ.
Für die Fans bleibt die Frage, ob der 26-Jährige nach einer Herz-OP dieselbe Schusssicherheit mitbringt. Die Antwort liefert kein Mediziner, sondern das erste Anschlag auf der Schießanlage. Dort wird sich zeigen, ob die Pulskurve wieder bei 180 schwingt oder ob die neue Ruhe ihm sogar hilft, kühler zu zielen.
Die Saison endet ohne ihn auf dem Thron. Die nächste beginnt mit ihm als Joker. Und wer weiß: Vielleicht war die Zwangspause das beste Training für einen Mann, der vorher nur Gas kannte.
