Giacomel atmet wieder: biathlon-star nach herz-op zurück im training
Tommaso Giacomel läuft wieder. Drei Tage nach seiner Entlassung aus der Sportklinik steht der Biathlet der italischen Nationalmannschaft im Trainingslager von Antholz am Start, das Herz schlägt wieder im Takt – und das ohne Stolperer.
Der sturz und die diagnose
Bei der Mass-Start-Prüfung der Heim-Weltmeisterschaft in Milano Cortina war Giacomel nach dem ersten Schießen in Führung gegangen, dann brach er zusammen. Die Ärzte diagnostizierten ein elektrisches Herzleitsystem-Chaos, eine atriale Tachykardie, die nur durch eine Katheter-Ablation zu stoppen war. Am 24. Februar erfolgte der Eingriff in der Klinik Città di Bolzano. „Die Narkose war kurz, die Angst vor der Zukunft blieb“, sagt er knapp.
Nun ist die Bombe entschärft. Die Kardiologen haben dem 26-Jährigen grünes Licht für Belastungen gegeben, die nächste Saison ist kein Traum mehr. „Ich bin kein Sofa-Coach“, lacht Giacomel, „aber die erste Woche ohne Wettkampf war schon seltsam.“

Der verzicht, der ihn teuer zu stehen kam
Der Ausfall kostete ihn die Führung im Gesamtweltcup. Vor dem Kollaps lag er nur 19 Punkte hinter dem Franzosen Fillon Maillet. Die verpassten Rennen in Östersund und Pokljuka bedeuten jetzt Rang fünf – 62 Zähler Rückstand. Statistiker rechnen vor: Selbst mit zwei Siegen in Oslo hätte Giacomel die Kugel nur noch theoretisch sichern können. „Titel sind schön, Gesundheit ist besser“, sagt er und drückt die Schultern nach unten.
Die Athleten-Union bestätigt: Sein Vertrag mit der FISI läuft bis 2026, die Startplätze für die Weltcup-Teams bleiben gesichert. Sponsoren wie Salomon und Garmin haben bereits verlängert – ein klares Signal nach dem medizinischen Warnschuss.

Kalender statt krankenhaus
Nächste Station: Kontiolahti. Am Wochenende startet die Staffel der Frauen, im Anschluss der Mass-Start der Männer. Giacomel wird nicht dabei sein, aber er ist vor Ort, um Daten zu sammeln und die neuen Ski zu testen. „Mein Körper fragt nach Pulver, mein Kopf nach Sicherheit“, erklärt er. Dann folgen Otepää und das Finale in Oslo-Holmenkollen vom 19. bis 22. März – sein Saisonziel rückt in weite Ferne, dafür rückt das Leben näher.
Die Ärzte haben ihm ein Pulsmeter verpasst, das bei 170 Schlägen pro Minute vibriert. Giacomel lacht: „Früher war 170 mein Dauerlauf, heute ist es meine Alarmgrenze.“
Italiens Skibund plant ein Herzscreening für alle Nachwuchsathleten. Die Kosten: 150 000 Euro. Die Botschaft: Ein Kollaps darf nicht zweimal passieren. Giacomel wird Patenrolle übernehmen – und mit jedem Schritt im Schnee beweisen, dass Sport mehr ist als Leistung, er ist auch Rückkehr.
