Getafe spaziert richtung europa – der verrückte reigen der azulones
In der Nacht, als die Virgen de los Ángeles ihre Prozession startete, zündeten die Getafe-Fans Feuerwerkskörper am Coliseum Alfonso Pérez – nicht aus Frömmigkeit, sondern weil ihre Mannschaft gerade die Europa-League-Tür aufgestoßen hat. 3:1 gegen Mallorca, Platz acht, drei Punkte bis zur Conference League, sechs bis zum europäischen Paradies. Noch vor fünf Monaten wäre dafür ein Psychologe verordnet worden, wer auch nur flüsterte: „Wir spielen 2025 international.“
Die geisterstunde von tim burton
Stellen Sie sich einen Klub vor, der die Vorbereitung mit zwölf Feldspielern beginnt, weil die restlichen Profis gesperrt sind. Alderete und Uche dürfen nicht mal ins Mannschaftsbus einsteigen. Die Kabine gleicht einem Wartezimmer, in dem sich die Verletzten gegenseitig die Krücken reichen. Die sportliche Leitung reist mit einem Koffer voller Vertragsklauseln nach Südamerika und kommt mit Namen zurück, die selbst Wikipedia fragt: Satriano wer? Trainer José Bordalás wirkt wie Johnny Depp in einem Horror-Märchen – nur dass er statt Schere Hände lieber Pressing-Ketten schwingt.
Dann kommt der Januar. Satriano trifft doppelt, Zaid Romero wird zur Mauer, Lucho Vázquez zur Ampel, die bei jedem Konter auf Grün schaltet. Getafe sammelt 20 Punkte aus zehn Spielen, wirft Real Sociedad, Betis und Villarreal aus dem Rennen und führt die Statistik „Zweikämpfe gewonnen“ an. Die Kurve schreit „¡Que sí, que sí, que Getafe está en Europa!“ – und meint es ernst.

Die letzten schritte einer epopee
Es bleiben zwei Finals: Elche und Osasuna. Beide haben nichts mehr zu verlieren, beide fürchten den Getafe-Turbo, der seit 78 Tagen nicht mehr abgeschaltet wurde. Im Coliseum werden 15.000 Stimmen zu einem Chor, der die Patrona hören lässt: Die Wunder sind längst verteilt, jetzt zählt nur noch Mathematik. Gewinnt Getafe beide Spiele, reicht ein Punkt Sevillas in der Conference-League-Quali. Die UEFA teilt bereits Karten für die Auslosung, die Stadtverwaltung plant Open-Air-Übertragungen auf der Plaza de la Constitución.
Was blieb von der Horror-Vorsaison? Ein Tweet des Präsidenten Ángel Torres vom 1. August: „Wenn wir überwintern, spende ich 100.000 Euro für die Jugendakademie.“ Die Kids von Pachóns Fünferkette von 2004 warten schon mit den Schecks. Und der erste Fan, der im Sommer „Europa“ sagte? Er sitzt heute in Reihe sieben, Block sur, trägt ein selbstgebasteltes Cape mit Satrianos Gesicht und flüstert: „Ich wusste es ja.“ Getafe spielt 2025 international – und niemand kommt mehr auf die Idee, ihn einzusperren.
