Müller-wohlfahrt schlägt alarm: profifußball gefährdet gesundheit der spieler
Der Name Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt ist untrennbar mit dem deutschen Fußball verbunden – und mit einer unerschütterlichen Professionalität. Nun schlägt der legendäre Teamarzt des FC Bayern und der Nationalmannschaft Alarm. In einem Gespräch mit dem Spiegel zeichnet er ein düsteres Bild der aktuellen Entwicklung im Profifußball, in dem die Gesundheit der Spieler zunehmend unter dem wirtschaftlichen Druck der Klubs leidet.

Die spirale der verletzungen: ein beunruhigender trend
„Die Quote der Wiederverletzungen ist heute so hoch wie nie“, sagt Müller-Wohlfahrt, dessen Expertise in der Sportmedizin weithin anerkannt ist. Seine Beobachtung ist besorgniserregend: Die Vereine sind primär auf wirtschaftlichen Erfolg bedacht, und der Ausfall eines teuer eingekauften Spielers kann diesen Erfolg gefährden. Das führt zu einem Zwang, Spieler zurück auf den Rasen zu bringen, obwohl sie noch nicht vollständig genesen sind – ein Teufelskreis, der die Verletzungsanfälligkeit weiter erhöht.
Müller-Wohlfahrt, der selbst 2015 bei den Bayern aufgrund von Differenzen mit Trainer Pep Guardiola zurücktreten musste, beschreibt das Dilemma, in dem sich Teamärzte befinden: „Sie arbeiten immer im Spannungsfeld zwischen dem, was der Verein will, und dem, was gut für den Spieler ist.“ Oftmals gewinnt dabei der sportliche Erfolg die Oberhand, während die langfristige Gesundheit des Spielers zu kurz kommt. Es ist eine Situation, die den Arzt sichtlich belastet hat.
Die kalte Realität des Geschäfts
Doch es ist nicht nur der Druck des aktuellen sportlichen Erfolgs, der Müller-Wohlfahrt zu schaffen macht. Auch die zunehmende Kommerzialisierung des Fußballs, die astronomischen Gehälter und Transfersummen, haben ihn zunehmend „fremd“ werden lassen. „Der Profisport ist kälter und unpersönlicher geworden. Es gibt weniger Kameradschaft“, bedauert er. Die Zeiten, in denen die Leidenschaft für den Sport und die Verbundenheit zu den Mitspielern im Vordergrund standen, scheinen weit entfernt.
In seiner Münchner Praxis behandelt Müller-Wohlfahrt weiterhin Spitzensportler wie Leon Draisaitl, Dennis Schröder und Alexander Zverev – ein Beweis für seinen unbestrittenen Ruf. Doch auch diese Arbeit kann ihn nicht davon abhalten, die Entwicklungen im Fußballgeschäft kritisch zu hinterfragen. Er arbeitet, wie er sagt, „so lange, bis mir der Himmel signalisiert: Es ist genug.“
Die Worte des erfahrenen Arztes sind ein Weckruf. Sie zeigen, dass hinter dem Glanz und Glamour des Profifußballs ein düsteres Bild der Belastung und des Drucks auf die Spieler verborgen liegt – ein Bild, das dringend Aufmerksamkeit erfordert und zu einem Umdenken im gesamten Sportgeschäft auffordert. Denn am Ende des Tages sollte der Sport nicht auf Kosten der Gesundheit seiner Akteure gehen.
