Moskito-alarm: frühling in spanien wird zur stich-falle
Der Frühling kommt mit einem surrenden Gepäck: Tigermücken. Nach dem wärmsten Winter seit Jahren schwirrt die invasive Plage bereits durch Gärten, Terrassen und Strandpromenaden – und trägt Viren wie Dengue, Zika und Chikungunya im Gepäck.
Warum die küste brennt
Die Mittelmeerküste ist Spaniens Schwachstelle. Barcelona, Valencia, Málaga – überall stehen bereits die ersten Opfer mit juckenden Quaddeln in den Arztpraxen. Das Robert Koch-Institut meldet für Andalusien dreimal so viele Mückenfälle wie im Vorjahr, die spanische Gesundheitsbehörde bestätigt: Die Population ist um 38 Prozent gewachsen. Grund ist die Kombination aus milden Nächten und den vielen Regentonnen, die noch vom Herbst stehen. Ein Eimer voll Regen reicht – binnen fünf Tagen schlüpfen 300 neue Blutsauger.
Die Stiche sind tagsüber gefährlicher als nachts. Die asiatische Tigermücke jagt bei Sonnenschein, wenn Kinder auf dem Spielplatz trampeln und Jogger ihre Runden drehen. Wer glaubt, mit einem einfachen Insektenspray gerüstet zu sein, unterschätzt den Gegner: DEET-Konzentrationen unter 30 Prozent kitzeln sie höchstens. Apotheker raten zu Präparaten mit 50 Prozent DEET oder Icaridin – und zu heller Kleidung, die die Tiere optisch irritiert.

So macht man den garten zur falle
Spanien hat gelernt: Verteidigung beginnt im eigenen Garten. Experten empfehlen, alle Wasserbehälter abzudecken oder zu entfernen – selbst das Saucer unter dem Blumentopf. Regenfallrohre werden mit engmaschigen Gittern versehen, um die Ablage von Eiern zu verhindern. Wer keine Moskitodrossel installieren will, kann sich mit Bacillus thuringiensis israelensis helfen: Die Bakterien töten die Larven ab, sind für Hunde und Katzen ungefährlich und kosten im Online-Shop unter fünf Euro.
Die gute Nachricht: Einheimische Viren-Ausbrüche sind noch nicht bestätigt. Alle bisherigen Dengue-Fälle stecken sich Reisende im Ausland zu, nicht in Spanien. Doch die Uhr tickt. Je länger die Mücken sich ausbreiten, desto wahrscheinlicher wird einheimische Übertragung. Die spanische Regierung hat deshalb 42 Sonderkommandos gebildet, die bis Ende April jede verdächtige Stichmeldung untersuchen. Ergebnis: Jede dritte Mücke trägt potenziell gefährliche Gene.
Die Sonne lockt, die Terrassen füllen sich – und die Tigermücke wartet. Wer jetzt nicht handelt, wird im Sommer zur lebenden Blutbank. Spanien zeigt: Klimaerwärmung ist kein abstraktes Schlagwort, sondern ein Summen direkt am Ohr.
