Mainz bangt um katompa mvumpa – traum vom viertelfinale trotzt dem schicksal

Der 0:0-Pflichtsieg gegen Sigma Olmütz schmeckt wie Medizin: bitter, aber nötig. Denn während der FSV Mainz 05 den Traum vom ersten Europapokal-Viertelfinale am Leben hält, droht der nächste Schicksalsschlag – Silas Katompa Mvumpa kam mit einer Fraktur ins Krankenhaus.

Die szene war harmlos, die diagnose lautet schienbeinbruch

Kein Zweikampf, kein Foul, nur ein harmloser Sprint. Dann lag der Stürmer am Boden, riss sich nach fünf Sekunden die Socken herunter und starrte auf ein Bein, das sich in die falsche Richtung biegen wollte. „Es sah nicht gut aus“, sagte Urs Fischer, und damit war schon alles gesagt. Niko Bungert, der Sportdirektor, der selbst noch bis 2019 mit gebrochenen Knochen gespielt hatte, wurde konkreter: „Wir befürchten einen Schienbeinbruch.“ Die TV-Bilder bestätigen es, ohne dass ein Arzt es aussprechen muss.

Der 25-Jährige hat in seiner Karriere bereits drei Kreuzbandrisse und mehrere Muskelbündelrisse überstanden. Jetzt wieder Unterbrechung, wieder Reha, wieder diese Frage: Wie viel Schmerz verträgt ein Körper, wie viel Vertrauen eine Karriere?

Zwischen bremen und olmütz liegt ein hauch von europa

Zwischen bremen und olmütz liegt ein hauch von europa

Am Sonntag empfängt Mainz Werder Bremen – ein Sechs-Punkte-Spiel im Kampf gegen den Abstieg. Drei Tage später geht es nach Mähren, wo ein Sieg den Einzug unter die letzten Acht bedeuten würde. „Wir haben alles in der Hand“, sagt Bungert, aber er weiß, dass die Ausgangslage flüchtig ist. Olmütz spielte in Mainz mit einer Ketten von Fünfer-Abwehr, ließ den Ball laufen und wartete auf Konter. Im eigenen Stadion wird der Underdog offensiver agieren, und Mainz muss ohne seinen schnellsten Gegenstoßspieler auskommen.

Fischer verlangt eine Leistungssteigerung, was angesichts von 0,8 erwarteten Toren nach xG fast schon euphemistisch klingt. Doch die Zahlen trügen, sagt der Trainer: „Es gibt Tage, da will der Ball nicht rein.“ Die Frage ist, ob es Tage gibt, an denen der Kopf nicht mitmacht, wenn der Kapitän der Mannschaft im Kasten liegt.

Die Fans sangen nach dem Schlusspfiff „Wir sind der FSV“, aber die Stimmen brachen, als Katompa Mvumpa auf der Trage verschwand. Die Gewissheit: Ein Sieg im Rückspiel würde die erste Viertelfinal-Qualifikation der Vereinsgeschichte bedeuten. Die Unwagbarkeit: Ohne ihren Stürmer wird das Unmögliche ein Stückchen unmöglicher. Die Ironie: Manchmal reicht ein 0:0, um alles offen zu halten – und trotzdem fühlt sich niemand wie ein Gewinner.