Kaltstart in den frühling: warum schnupfen und grippe uns weiter im griff haben

Der April trügt. Während die Bäume blühen, schlägt uns ein alter Bekannter erneut in die Knie: Schnupfen, Husten, Fieber. Der Frühling ist da, doch die Winterviren tanhen weiter auf unseren Lungen.

Die temperaturen lügen – und das immunsystem auch

Milano, 7. April. Die Straßencafés haben ihre Stühle rausgestellt, doch die Jacken bleiben an. Ein März, der zu kalt war, zieht seine Spur durch die Atemwege der Menschen. „Wir erleben eine Verlängerung der Grippesaison“, sagt Francesco Palma, Referent für Infektiologie an der Poliklinik Mailand. „Die Viren lieben dieses Zwitterwetter: warm genug, um sich zu verbreiten, kalt genug, um nicht zu verschwinden.“

Die Zahlen sind eindeutig: In den vergangenen sieben Tagen meldet die Region Lombardei 23 % mehr Influenza-Fälle als im Vorjahreszeitraum. Die Notaufnahmen sind voll, die Apotheken ebenfalls. Doch das Besondere: Die typischen Frühjahrsallergien – Heuschnupfen, Befreit-Atem-Gejammer – bleiben aus. „Die Birkenpollen sind durch die Kälte noch nicht aktiv“, erklärt Palma. „Stattdessen zirkulieren weiterhin Influenza-A- und RSV-Stämme, die eigentlich März-Ausverkauf hatten sein sollen.“

Die risikogruppen sind dieselben – nur älter

Die risikogruppen sind dieselben – nur älter

Wer besonders leidet? Nicht die Kinder, die in diesem Jahr erstaunlich robust wirken. Sondern die 50- bis 70-Jährigen, die sich nach zwei Jahren Pandemie wieder ins Büro trauen. „Sie haben den Kontakt zu Viren verloren“, so Palma. „Ihr Immunsystem ist wie ein Muskel, der zu lange nicht trainiert wurde.“

Die Folge: längere Krankheitstage, häufiger Spitalaufenthalt. Und ein neues Phänomen: „Wir sehen Re-Infektionen innerhalb von vier Wochen – das war früher selten.“

Die Lösung? Nicht Impfen, sondern Nachholen. „Wer seine Grippespritze im Oktober verpasst hat, sollte jetzt nachlegen“, rät Palma. „Die Wirkung kommt spät, aber sie kommt.“

Die Sonne wird stärker, das Thermometer steigt – und mit ihm die Virenlast. Der Frühling ist ein Marathon, kein Sprint. Wer jetzt aufpasst, gewinnt den Sommer.